Politik

Stolz auf 1989Der gute Ruf der DDR

26.06.2009, 16:09 Uhr

Fast 20 Jahre nach dem Mauerfall sehen viele Ostdeutsche ihre Hoffnungen enttäuscht. Über die Hälfte von ihnen sagt, die DDR habe mehr gute als schlechte oder sogar ganz überwiegend gute Seiten gehabt.

20 Jahre nach dem Mauerfall sieht mehr als die Hälfte der Ostdeutschen die DDR positiv. 49 Prozent der befragten Ostdeutschen fanden, dass die DDR mehr gute als schlechte Seiten hatte. Weitere 8 Prozent im Osten meinten sogar, die DDR habe fast nur gute Seiten gehabt.

Von den Befragten aus den alten Ländern schließen sich nur 18 Prozent der positiven DDR-Sicht an, wie aus der repräsentativen Umfrage des Emnid-Institutes hervorgeht. Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte die Studie als Beauftragter für die neuen Länder in Auftrag gegeben. Befragt wurden im April 1208 Menschen in Ost und West.

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Wer den guten Ruf der DDR überprüfen möchte, kann dies derzeit bei einer Ausstellung auf dem Alexanderplatz tun. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Einigkeit herrschte laut der Umfrage dagegen über den Fall der Mauer. 85 Prozent der Ostdeutschen und 81 Prozent der Westdeutschen meinten, die Ostdeutschen könnten stolz sein auf die friedliche Überwindung der SED-Diktatur. 79 Prozent in Ost und 82 Prozent in West bewerteten den Herbst 1989, als die Mauer nach Massenprotesten fiel, als wichtiges Ereignis für die gesamtdeutsche Geschichte.

Als entscheidenden Faktor für das Ende der SED-Herrschaft sahen 37 Prozent der Ost- und 34 Prozent der Westdeutschen den wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR, die Proteste gegen das Regime wurden von 21 Prozent in Ost und 17 Prozent in West als ausschlaggebend gesehen. Bei der Frage, welche einstigen Hoffnungen heute verwirklicht sind, nannten Ost (90 Prozent) und West (94) fast übereinstimmend das Recht auf Freiheit sowie Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit.

Tiefensee sagte bei einer Tagung zur friedlichen Revolution, mit den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls solle nicht von den Schwierigkeiten beim Zusammenwachsen abgelenkt werden. "Freiheit tut auch weh", sagte der SPD-Politiker angesichts hoher Arbeitslosigkeit und sozialer Verunsicherung im Osten. "Die Angst vor denen da oben ist der Angst gewichen, zu denen da unten zu gehören", sagte der in Leipzig aufgewachsene Politiker. Er forderte, den einzigartigen Erfahrungsschatz der Ostdeutschen zu nutzen.

Quelle: dpa