Sonntag, 07. September 2008
Wahlen in Angola: Deutlicher Sieg für MPLA
Im einstigen Bürgerkriegsland Angola hat die Regierungspartei MPLA von Präsident Jos Eduardo dos Santos die erste Parlamentswahl seit 16 Jahren aller Voraussicht nach haushoch gewonnen. Nach Auszählung von rund 55 Prozent aller Stimmen errang sie nach Angaben der staatlichen Wahlkommission mehr als 80 Prozent und liegt in 17 der 18 Provinzen vorn.
Sollte sich das Ergebnis bestätigen, könnte die einst marxistisch-leninistisch und heute eher sozialdemokratisch geprägte MPLA mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit nach Belieben die Verfassung ändern. Das offizielle Endergebnis wird frühestens Mitte dieser Woche erwartet.
Logistische Probleme
Die aus einer Rebellenbewegung hervorgegangene stärkste Oppositionspartei UNITA liegt demnach bei etwas mehr als 10 Prozent der Stimmen, der Rest ging an kleinere Parteien.
Die Unio Nacional para a Independncia Total de Angola (UNITA) des 2002 bei einem Gefecht getöteten Ex-Rebellenchefs Jonas Savimbi kündigte wegen Problemen bei der Wahlorganisation in der Hauptstadt eine Anfechtung der ersten Abstimmung an, will aber erst das Endergebnis abwarten. Ihr Vorsitzender Isaias Samakuva würdigte die Wahl jedoch insgesamt als erfolgreiche Konsolidierung der jungen Demokratie.
Die Wahl - zu der 8,3 Millionen Angolaner aufgerufen waren - ging am Samstagabend zu Ende. Sie hatte Freitag begonnen und war wegen logistischer Probleme in 320 Wahllokalen in der Hauptstadt Luanda am Folgetag fortgesetzt worden.
Die Wahlbeteiligung wurde als sehr hoch beschrieben. Unabhängige afrikanische Beobachter des regionalen Staatenblocks SADC bezeichneten die Wahl trotz einiger Probleme in Luanda als "friedlich, frei, transparent und glaubwürdig".
Teils schlechte Vorbereitung
Unabhängige Beobachter wie die der Europäischen Union (EU) betonten, Probleme durch schlechte Vorbereitung habe es nach bisherigen Erkenntnissen nur in Teilen Luandas gegeben. In der als Hochburg der regierenden MPLA geltenden Hauptstadt leben 20 Prozent der Wahlberechtigten.
Die EU-Gruppe, der 118 Beobachter aus 20 EU-Staaten, der Schweiz und Norwegens angehören, will am Montag ihren vorläufigen Bericht vorlegen.
Die Wahlen in dem ölreichen Staat, in dem 2002 einer der längsten Bürgerkriege des Kontinents mit über einer halben Million Toten endete, waren immer wieder verschoben worden. Am Wahlsieg der aus einer Befreiungsbewegung hervorgegangenen Regierungspartei Movimento Popular de Libertao de Angola (MPLA) des seit 29 Jahren regierenden dos Santos bestanden von Beginn an kaum Zweifel.
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