Medwedew lobt Unternehmen"Deutsches Kapital kein Reh"
Russlands Präsident Medwedew wirbt um deutsche Investoren. Von der versammelten deutschen Wirtschaft erhält er ein Gastgeschenk: einen Mauerstein und zwei CDs.
Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat die deutsche Wirtschaft gelobt und will die Bedingungen für ausländische Investoren verbessern. In seinem Land engagierte deutsche Unternehmen würden pragmatisch und vorurteilsfrei mit Russland umgehen, ohne Probleme zu verschweigen. "Man sagt ja, Kapital wäre so scheu wie ein Reh. Das deutsche Kapital ist ganz bestimmt nicht schüchtern", sagte er in Berlin in einem Gespräch mit deutschen Managern.
Zum Auftakt eines Treffens mit Kanzlerin Angela Merkel plädierte Medwedew dafür, die Zusammenarbeit über Gas- und Öllieferungen hinaus auszuweiten. Im bilateralen Handel sei ein Rekordergebnis zu erwarten. Merkel begrüßte den russischen Staatschef mit den Worten: "Herzlich willkommen in alter Freundschaft." Bei der Unterredung ging es auch um die Euro-Krise sowie die Entwicklung im Nahen Osten.
"Vertragliche Ethik wichtig"
Vor den Wirtschaftsvertretern würdigte Medwedew die "Betriebs- und Sozialkultur" in deutschen Firmen. Für Russland sei eine "vertragliche Ethik" in Betrieben sehr wichtig. Beispielhaft nannte Medwedew erfolgreiche Investitionen von Siemens und Volkswagen in Russland.
Medwedew kündigte weitere Anstrengungen an, um die Korruption zu bekämpfen. Er hoffe, dass die Bemühungen um mehr Rechtssicherheit im Ausland anerkannt würden.
Den sich abzeichnenden Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO bezeichnete Medwedew als folgerichtig. Eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt gehöre einfach in die WTO. Russland wolle eine wettbewerbsfähige moderne Wirtschaft aufbauen, die sich nicht nur auf Rohstoffe stütze, betonte der Präsident.
Ein Stein, zwei CDs
Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Metro-Chef Eckhard Cordes, hob die Rolle des russischen Präsidenten hervor: "Ohne die Beharrlichkeit Medwedews wäre aus dem 18-jährigen Verhandlungsmarathon wohl eine unendliche Geschichte geworden."
Als Gastgeschenk überreichte Cordes Medwedew einen Mauerstein sowie zwei Musik-CDs - eine Live-Aufnahme des Konzertes "The Wall" von Pink Floyd von 1990 am Brandenburger Tor sowie eine Live-Aufnahme eines Deep-Purple-Auftritts von 1968.
Medwedew freute sich sehr: "Dankeschön. It's great!" Der Kreml-Chef ist großer Anhänger der Rockband Deep Purple ("Smoke on the Water"). Im Frühjahr hatte er die Gruppe persönlich in Moskau empfangen.
Am Gespräch mit Medwedew und mehreren russischen Ministern nahmen Manager unter anderem von RWE, Eon Ruhrgas, Bayer und der Deutschen Bank teil.