Politik
Blick auf das Akw Fessenheim.
Blick auf das Akw Fessenheim.(Foto: imago/Winfried Rothermel)

Störfall im Akw Fessenheim: Dreyer schreibt Brandbrief an Hollande

Der Störfall im französischen Akw Fessenheim ruft die rheinland-pfälzische Regierungschefin Dreyer auf den Plan. Sie verlangt vom französischen Präsidenten Hollande die sofortige Abschaltung. Dieses Ansinnen weist die französische Atomaufsicht zurück.

Nach Berichten über einen gravierenden Störfall im elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer den französischen Staatspräsidenten François Hollande zur sofortigen Abschaltung der grenznahen Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom aufgefordert. Über ein entsprechendes Schreiben an Hollande berichtete die SPD-Politikerin in einer Mitteilung.

Solange keine umfassende Untersuchung und Aufklärung des gravierenden Vorfalls vorgenommen worden sei und solange keine ausreichende Sicherheit für die Bevölkerung rund um die Atomkraftwerke garantiert werden könne, "bitten wir Sie eindringlich, als Sofortmaßnahme die Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom abzuschalten", hieß es in dem Brief Dreyers und der rheinland-pfälzischen Energieministerin Eveline Lemke von den Grünen an Hollande.

Beide Politikerinnen zeigten sich in dem Brief "zutiefst" beunruhigt über das "Eindringen von Wasser auf mehreren Ebenen" und den "Ausfall von sicherheitsrelevanten Steuersystemen" in Fessenheim, wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte. Nach den vorliegenden Kenntnissen habe der Störfall im April 2014 zu einer Notabschaltung geführt, die wiederum nicht vollständig störungsfrei abgelaufen sei.

Grüne fordern EU-Gipfel

Eine "Hochrisikotechnologie" wie die Atomkraft erfordere eine "transparente Sicherheitskultur", forderte Dreyer. Allem Anschein nach habe "der Betreiber die Gefahren verschleiert", kritisierte sie.

Um das Vertrauen in den Betreiber und in die französische Atomaufsicht wiederherzustellen, sei es aus Sicht von Energieministerin Lemke unerlässlich, den Vorfall mit zweijähriger Verspätung nun rücksichtslos aufzuklären und dabei auch "alle weiteren Störfälle in Fessenheim und Cattenom zu überprüfen" und alle notwendigen Maßnahmen einzuleiten, damit die Sicherheit der angrenzenden Bevölkerung gewährleistet sei.

Die Grünen forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu auf, sich für einen EU-Atomgipfel zur Neubewertung atomarer Risiken in Europa stark zu machen. Das geht aus einem offenen Brief (hier als PDF) von Grünen-Chefin Simone Peter an Merkel hervor. Peter reagiert damit auf die jüngste Debatte um einen Zwischenfall im Atomkraftwerk Fessenheim. Mehrere nahe Deutschland gelegene Reaktoren in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Tschechien seien tickende Zeitbomben. "Hunderte von Stör- und Zwischenfälle und systematische Mängel dieser grenznahen Anlagen dokumentieren seit Jahren deren Gefährlichkeit."

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag zufolge waren am 9. April 2014 nach einer Überflutung wegen eines Lecks in Block 1 die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nicht mehr manövrierfähig. Der Block wurde laut "SZ" erst durch Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet - ein äußert seltenes Vorgehen. Der Betreiber des Akw, der staatliche französische Stromkonzern EDF, hatte zwar von dem Leck berichtet, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen.

Atombehörde sieht keinen Grund zur Schließung

Offenbar war die französische Behörde für Atomaufsicht ASN nach dem Störfall zunächst offenbar weder von EDF noch von der Akw-Leitung über das ganze Ausmaß der Panne informiert worden. Erst auf Nachfrage erfuhr die ASN ihrer Website zufolge Details zum Ablauf - gut zwei Wochen nach dem Vorfall.

Die Behörde teilte mit, sie sehe "aus dem Blickwinkel der Atomsicherheit keinen Grund zur Schließung" von Fessenheim. Alle weiteren Fragen zur Zukunft des Meilers seien politischer Natur. "Das Verfahren ist atypisch", zitierte die Regionalzeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace" die Regionalchefin der ASN Straßburg, Sophie Letournel. "Aber das ist keine Notfall-Prozedur. Der Betreiber ist zu jedem Zeitpunkt im Rahmen der normalen Verfahren geblieben, um die Situation zu managen, die im Übrigen kontrollierbar geblieben ist."

Die Schließung des Akw Fessenheim am Oberrhein wird von Umweltschützern in Deutschland, Frankreich und der Schweiz schon seit Jahren gefordert. Sie verweisen auf die zahlreichen Störfälle der beiden Reaktoren, die Ende der 70er Jahre in Betrieb genommen wurden und damit die ältesten in Frankreich sind.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen