Geschwister-Scholl-PreisEhrung für Anna Politkowskaja
Der Preis wurde Politkowskaja für ihr letztes Werk "Russisches Tagebuch" zugesprochen, in dem sie in erschütternden Beobachtungen die politische Lage Russlands unter Putin beschrieb.
Rund ein Jahr nach ihrem Tod ist die in Moskau erschossene Journalistin Anna Politkowskaja posthum mit dem Geschwister-Scholl-Preis geehrt worden. Mit der Auszeichnung würdigte die Jury den Mut und die Zivilcourage der regierungskritischen Reporterin sowie ihr Eintreten für Demokratie und Menschenrechte. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung nahm ihr Sohn Ilja Politkowski bei einem Festakt in der Ludwig- Maximilians-Universität in München entgegen. Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Flur ihres Wohnhauses in Moskau erschossen worden. Das Verbrechen ist bislang trotz mehrerer Festnahmen nicht aufgeklärt.
Der Preis wurde Politkowskaja für ihr letztes Werk "Russisches Tagebuch" zugesprochen, in dem sie in erschütternden Beobachtungen die politische Lage Russlands unter Präsident Wladimir Putin von Ende 2003 bis Sommer 2005 sowie den andauernden Terror in Tschetschenien beschrieb. "Sie war immer auf der Seite der Unterdrückten", sagte Juri Safronow, Vize-Chefredakteur der unabhängigen russischen Zeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja geschrieben hatte, laut Redetext in seiner Laudatio.
In der Begründung der Jury heißt es, Politkowskaja sei bereit gewesen, "für Texte wie das 'Russische Tagebuch' zu sterben. Ihren Tod hat sie in Kauf genommen, aus Solidarität mit den Menschen, für die sie schrieb, in Verteidigung des Rechtes auf freie Information und aus Hingabe an das Prinzip demokratischer Rechtsstaatlichkeit."
Der Geschwister-Scholl-Preis wird jährlich von der Stadt München und dem bayerischen Landesverband im Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Die Auszeichnung soll die Erinnerung an die Zivilcourage der Studenten Hans und Sophie Scholl wach halten, die als Mitglieder der "Weißen Rose" ihren Widerstand gegen das Terrorregime der Nationalsozialisten 1943 in München mit dem Leben bezahlten.