Samstag, 06. September 2008
Strahlendes Erbe: Endlagerung unterschätzt
Die Herausforderungen einer atomaren Endlagerung sind mit Anbeginn des Atomzeitalters systematisch unterschätzt worden. Das sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, der "Berliner Zeitung". Die frühere Sorglosigkeit sei aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar, so König. Sie habe viel mit der früheren Atom-Euphorie zu tun. Das schadhafte Atommülllager Asse in Niedersachsen sei ein Beispiel dafür, was man alles falsch machen könne, wenn man sich nicht von Anfang an um eine ernsthafte Sicherheitsanalyse kümmere.
Von Schavan zu Gabriel
Das Bundesamt hat die Zuständigkeit für die Asse vom Helmholtz-Zentrum übernommen. Damit soll der Salzstock künftig nach Atomrecht statt nach dem weniger strengen Bergrecht geführt werden. Auch geht die Aufsicht damit von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) auf Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) über. Gabriel will bis Ende des Jahres über die Schließung der Forschungsanlage aus den 60er Jahren entscheiden. Der Salzstock gilt als einsturzgefährdet.
Kein "weiter so"
Die Union im Bundestag forderte Gabriel auf, nun endlich die zugesagten Vorschläge für ein Endlagergesetz vorzulegen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Röttgen, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", die Kritik Gabriels an den Zuständen in der Asse sei zwar richtig, führe aber nicht weiter. Die Asse dürfe nicht instrumentalisiert werden, um "an einer überkommenen Anti-Atom-Ideologie festzuhalten". Die Union will den Atom-Ausstieg rückgängig machen, während SPD und Grüne sich durch die Endlagerprobleme darin bestärkt sehen.
Merkel will Gorleben
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich offen für Gorleben als einziges Endlager für hochradioaktiven Atommüll ausgesprochen. Sie stellte sich damit gegen die Forderung des Koalitionspartners SPD, bundesweit nach alternativen Standorten zu suchen. Für die Erkundung Gorlebens seien bisher schon "Milliarden und- Abermilliarden" ausgegeben worden, sagte sie in Berlin. "Ich habe keine Lust, weitere Milliarden auszugeben."
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