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Politik

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Trauer in Argentinien: Ex-Präsident Kirchner ist tot

Néstor Kirchner.

Néstor Kirchner.

Der frühere argentinische Präsident Néstor Kirchner ist an einem Herzinfarkt gestorben. Der 60-Jährige habe am Morgen in Calafate in der patagonischen Provinz Santa Cruz einen Infarkt erlitten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, berichteten argentinische Medien. Dort starb er wenig später. Die Fernsehsender spielten Trauermusik.

Kirchner sei einem "plötzlichen Tod" erlegen, sagte der Arzt des früheren Staatschefs, Luis Buonomo. Es sei nicht möglich gewesen, ihn zu reanimieren. Argentinische Medien hatten zuvor berichtet, der 60-Jährige sei mit Schmerzen in der Brust in eine Klinik eingeliefert worden. Seine Ehefrau Cristina war demnach bei ihm. Die Familie hatte sich zur Erholung in ihrem Haus in der Region aufgehalten.

In Argentinien löste der Tod des früheren Staatschefs Bestürzung aus. "Wir haben einen Patrioten verloren", sagte Juan Carlos Dante Gullo, ein einflussreicher Abgeordneter der Peronistischen Partei, deren Vorsitzender Néstor Kirchner bis zuletzt war. "Unser Schmerz ist unermesslich." Das Land habe den "größten Verlust seit der Einführung der Demokratie" erlitten, teilte Senator Eric Calcagno aus Buenos Aires über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Kampf gegen Wirtschaftskrise

Das Ehepaar Kirchner auf einem Foto von 2003.

Das Ehepaar Kirchner auf einem Foto von 2003.
(Foto: REUTERS)

Kirchner galt neben seiner Frau, der amtierenden Präsidentin Cristina Kirchner, als der mächtigste Politiker des südamerikanischen Landes. Er war zudem aussichtsreicher Anwärter auf das Präsidentenamt bei der Wahl im kommenden Jahr. Zuletzt hatte Néstor Kirchner das Amt des Generalsekretärs der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) inne.

Er war dieses Jahr bereits zweimal am Herzen operiert worden. Obwohl die Ärzte ihm deshalb dringend geraten hatten, kürzer zu treten, führte der Chef der Regierungspartei Frente para la Victoria (Front für den Sieg) seinen rastlosen Lebensstil unverändert fort. So reiste er zuletzt als Generalsekretär der südamerikanischen Staatenunion Unasur nach Kolumbien und Ecuador.

Während seines Präsidentschaftswahlkampfes im Jahr 2003 galt der Sohn eines Nachfahren von Deutsch-Schweizern und einer kroatischstämmigen chilenischen Mutter als linker Flügelmann der Peronisten, der nicht mit Kritik an der eigenen Partei sparte.

In seiner Amtszeit führte er Argentinien aus der größten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes, die Argentinien in den Jahren 2001/2002 an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds brachte. Im Jahr 2006 kündigte Kirchners Regierung die vorzeitige Rückzahlung der gesamten Staatsschulden beim Internationalen Währungsfonds an.

dpa/AFP

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