Halbierung der AbgaseG8 mit großen Plänen
Die G8-Staaten wollen die Abgase bis 2050 halbieren. Dieses Ziel soll beim nächsten Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vereinbart werden.
Die G8-Staaten als die wirtschaftlich stärksten Industrieländer der Welt müssen beim Umwelt- und Klimaschutz die Führungsrolle übernehmen. Das betonten die G8-Umweltminister zum Abschluss eines dreitägigen Treffens im japanischen Kobe. Die Minister forderten ihre Staats- und Regierungschefs auf, sich beim G8-Gipfeltreffen im Juli in Japan auf mittel- und langfristige Reduktionsziele zu einigen und den Entwicklungsländern finanzielle und technische Unterstützung zuzusagen. "Nur wenn wir diese Verantwortlichkeiten anerkennen, kann es gelingen, bis 2009 ein umfassendes internationales Klimaabkommen zu beschließen", sagte Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, in Kobe.
Die Umweltschutzorganisation WWF kritisierte das Ergebnis des Treffens als "unzureichend". Die Minister hätten die Gelegenheit versäumt, den "langsamen Klima-Verhandlungsprozess zu beschleunigen" und ein "Signal der Hoffnung auf einen Durchbruch beim Gipfel im Juli" in Toyako zu geben, sagte Naoyuki Yamagishi vom Klimawandel-Programm des WWF Japan. "Nur wenn wir, die großen Industrieländer, ambitioniert vorangehen, können die großen Entwicklungsländer überzeugt werden, wirksame Maßnahmen zu ergreifen", erklärte der deutsche Delegationsleiter Machnig.
Erstmals war in einer von Japan zusammengefassten Abschlusserklärung der Umweltminister von der Notwendigkeit eines mittelfristigen Ziels unter "Berücksichtigung der Erkenntnisse des Weltklimarats (IPCC)" die Rede. Der IPCC rät zu einer Reduzierung der Abgase bis 2020 um 25 bis 40 Prozent. Umweltschützer kritisierten jedoch, dass sich die G8-Staaten noch immer nicht auf verbindliche Reduktionsziele für die Industrieländer festgelegt haben. Machnig sprach in Kobe von einem "kleinen Schritt in die richtige Richtung".
Wie am Rande der Konferenz verlautete, hatte die amerikanische Seite bis zum Schluss versucht, die Abschlusserklärung noch stark abzuschwächen. Die USA tun sich schwer, mittel- und langfristige Ziele zu akzeptieren ohne eine Beteiligung von Ländern wie China und Indien. Machnig begrüßte, dass Japan als Gastgeber des G8-Treffens erstmals seine Position klar gemacht habe und sich zum langfristigen Ziel wie auch zur Notwendigkeit eines mittelfristigen Ziels bekannt habe. Zudem habe Japan klargestellt, dass sein Vorschlag einer CO2-Reduktionsbemessung nach Industriesektoren kein Ersatz für ein nationales Ziel sei. "Die japanische Position hat sich weiterentwickelt. Das ist ein kleiner Schritt nach vorne", sagte er.
Es gebe aber "noch viel zu tun", um wie geplant bis Dezember 2009 in Kopenhagen ein internationales Folgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaschutzprotokoll vereinbaren zu können. "Wir können es uns nicht leisten, Zeit zu verlieren", sagte der deutsche Delegationsleiter. Zu dem Treffen der G8-Länder Deutschland, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, USA, Kanada und Russland waren auch die Umweltminister der größten Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika eingeladen. Im Mittelpunkt standen die Themen Biodiversität, Klimawandel und Abfallmanagement.
Parallel zur Tagung der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn verständigten sich die G8-Umweltminister ferner darauf, die Zusammenarbeit im Bereich der biologischen Vielfalt zu verbessern. Dazu gehört der Aufbau eines globalen Schutzgebietsnetzes und die Mobilisierung des Privatsektors. Beim Thema "Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechter Vorteilsausgleich" (Access and Benefit Sharing, ABS), habe er eine "Annäherung der Positionen gespürt", erklärte Machnig. "Dies könnte entscheidend sein für einen erfolgreichen Ausgang der Bonner Konferenz", so der Staatssekretär.