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Politik

Mittwoch, 05. November 2008

Hula-Tänze und Hotdogs in Berlin: Gedränge bei Wahlpartys

Hula-Tänzer schaukelten vor der Bühne mit den Hüften. Dann kamen auf der Leinwand die Ergebnisse - und der erste Jubel. "Sieh' mit uns die Sonne aufgehen", das war das Motto der Anhänger von Barack Obama, die in der Nacht zum Mittwoch im Kino Babylon in Berlin feierten. Die Party platzte aus allen Nähten. "Sorry no tickets" stand am Eingang. Hunderte verlegten die US-Wahlnacht in andere Kneipen oder auf die Straße und hielten sich mit Glühwein warm. "Vermont hat er!", war als erste frohe Botschaft von den Anhängern des Demokraten zu hören. Diese waren in der Berliner Wahlnacht sichtbar in der Mehrheit.

Etwa 50 Helfer waren für die "Auslands-Demokraten" im Wahlkampf in der Hauptstadt im Einsatz, erzählte ihr Sprecher Jerry Gerber, der bis sechs Uhr morgens wach bleiben wollte. Im Sommer waren 200.000 Menschen zur Siegessäule geströmt, wo Obama seine einzige Rede in Europa hielt. Die Begeisterung für den möglicherweise ersten schwarzen US-Präsidenten war überall in Berlin zu spüren. Selbst Ex-Botschafter John Kornblum wollte da nicht diplomatisch sein. "Ich persönlich möchte, dass er gewinnt", sagte Kornblum bei der Party in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden.

Popcorn und Pappaufsteller

Dort roch es nach Popcorn, es gab Hotdogs und Pappaufsteller von McCain und Obama, neben denen sich die Besucher fotografieren lassen konnten. Im Gewühl vertrieben sich Politiker wie Reinhard Bütikofer, Claudia Roth und Laurenz Meyer die Zeit, auch Filmemacher wie Bernd Eichinger und Volker Schlöndorff schauten vorbei. Grünen-Chefin Roth wollte nicht zu früh über Obamas Erfolgsrezept urteilen. "Ich guck' mir dann was ab, wenn es erfolgreich ist", sagte sie. Die Gäste durften zur Probe abstimmen: McCain kam auf 5 Stimmen, Obama auf 106.

Bei der Party der US-Botschaft ein paar hundert Meter weiter war es so voll, dass der Raum der Podiumsdiskussion zeitweise geschlossen war. Der aus Washington angereiste Wirtschaftswissenschaftler Adam S. Posen war sich sicher: "Obama wird hoch gewinnen." Posen gehörte zu dem Tross von Experten, die in der Wahlnacht öfter Mikrofone unter der Nase hatten. Wie kann man jetzt den Ruf Amerikas wieder verbessern? War Sarah Palin als McCains Vize ein Fehler? Was macht Hillary Clinton jetzt? Das waren Fragen, um die es beim Empfang im Haus der Telekom ging. Zu Clintons Zukunft hatte Charles King Mallory IV vom Berliner Aspen Institute schon eine klare Vorstellung: "Sie wartet offensichtlich die Zeit bis 2012 ab." Dann wird wieder ein Präsident gewählt.

In der Kneipe Wahlkreis im Regierungsviertel, in der die Republikaner feiern wollten, waren in der Nacht noch einige Plätze frei. Aber auch dort waren einige Obama-Anhänger vertreten. Immerhin: Ein Gast trug einen Lederhut mit einem "John McCain"-Pappschildchen. Ein Amerikaner? Nein, ein "Ossi", war die Antwort des 21 Jahre alten Brandenburgers. Warum er den Republikaner gut findet? "Weil ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin."

Caroline Bock, dpa

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