Politik
Mittwoch, 28. Juli 2010

Jagd auf Nazi-Verbrecher: Gericht will Kunz anklagen

Der 90jährige Samuel Kunz arbeitete jahrelang als Handwerker im Bundesbauministerium in Bonn. Doch seine Vergangenheit sieht düster aus: Er soll am Massenmord an Juden im damals besetzten Polen beteiligt gewesen sein. Kunz wurde von Fahndern des US-Justizministeriums entdeckt.

Die Aufnahme aus dem Yad-Vashem-Archiv in Jerusalem entstand 1942 im deutschen Vernichtungslager Belzec.
Die Aufnahme aus dem Yad-Vashem-Archiv in Jerusalem entstand 1942 im deutschen Vernichtungslager Belzec.(Foto: AP)

Sechseinhalb Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges muss sich ein weiterer mutmaßlicher Nazi- Kriegsverbrecher vor der deutschen Justiz verantworten. Der inzwischen 90 Jahre alte Samuel Kunz soll am Massenmord an Juden im ehemaligen deutschen Vernichtungslager Belzec im damals besetzten Polen beteiligt gewesen sein. Kunz stand an dritter Stelle der zehn meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher, die jedes Jahr vom Simon-Wiesenthal-Zentrum veröffentlicht wird. Der Leiter der Jerusalemer Zweigstelle, Efraim Zuroff, sagte, der Fall Kunz beweise, dass es nicht zu spät sei, Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen.

Kunz sei von Fahndern des US-Justizministeriums entdeckt worden, sagte Zuroff. Das beweise, dass mit mehr Nachforschungen auch mehr Nazi-Verbrecher aufgespürt und angeklagt werden könnten. "Ich bin sehr zufrieden. Der Fall zeigt eine sehr positive Veränderung in der deutschen Anklagepolitik", sagte Zuroff.

Belastung aus Demjanjuk-Prozess

Gegen Kunz war vor zwei Wochen beim Bonner Landgericht Klage erhoben worden. Das Gericht entscheidet derzeit über die Eröffnung des Verfahrens. Der Mann lebt im Rhein-Sieg-Kreis bei Bonn. Bis zu seinem Ruhestand hatte er als Handwerker im Bundesbauministerium in Bonn gearbeitet. Die Ermittlungen gegen ihn wurden von der "Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen" in Dortmund geleitet. Ins Rollen gekommen waren die Untersuchungen durch den Prozess gegen John Demjanjuk. Dabei waren Aussagen russischer Zeugen aus den 40er und 60er Jahren bekanntgeworden, die sich auf den ehemaligen Wachmann beziehen.

Das Wiesenthal-Zentrum ist mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren bekanntgeworden. Die 1977 gegründete Menschenrechtsorganisation hat ihren Hauptsitz in Los Angeles. Das Zentrum ist nach dem österreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908 bis 2005) benannt, der viele Angehörige während des Holocaust verloren und deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit nach Nazi-Tätern geforscht hatte.

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Quelle: n-tv.de

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