Montag, 06. Oktober 2008
Trennung von Al Kaida angestrebt: Gespräche mit Taliban in Mekka
Die radikal-islamischen Taliban wollen nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN ihre Verbindungen mit der Terrororganisation Al Kaida lösen. Vertreter der Taliban und der afghanischen Regierung hätten sich bereits Ende September in Mekka getroffen und über eine mögliche Beilegung des blutigen Konflikts in Afghanistan gesprochen, hieß es in einem CNN- Bericht.
Die Gespräche seien in dieser Form bislang einzigartig und zeigten zudem, dass Saudi-Arabien eine aktive Rolle in Afghanistan übernehmen wolle, berichtete CNN-Korrespondent Nic Robertson, der sich dabei auf eine ungenannte Quelle berief.
Traditionell nutzen im Fastenmonat Ramadan viele muslimische Politiker die kleine Wallfahrt nach Mekka, um neben den religiösen Riten dort auch "unauffällig" politischen Geschäften nachzugehen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte Ende September erste Berichte über geheime Gespräche mit den Taliban bestritten.
Taliban-Chef Omar fehlt
Während des Treffens mit der 17-köpfigen Delegation aus Afghanistan, das zwischen dem 24. und 27. September stattgefunden haben soll, habe der saudische König Abdullah anlässlich des Ramadan- Endes das Fasten gebrochen. An der Begegnung hätten elf Delegierte der Taliban, zwei Beamte der afghanischen Regierung, ein Vertreter des früheren Mudschaheddin-Kommandeurs Gulbadin Hekmatjar und drei andere Gesprächspartner teilgenommen, hieß es bei CNN.
Es sei das erste derartige Treffen gewesen, das eine Verhandlungslösung des Afghanistan-Konflikts zum Ziel gehabe habe, und es sei auch das erste Mal gewesen, dass alle Parteien ihre Positionen offen diskutieren konnten.
Der Taliban-Führer Mullah Omar sei nicht bei den Gesprächen dabei gewesen. Nach CNN-Informationen machte der Taliban-Führer aber deutlich, dass er nicht länger ein Alliierter des Terrornetzwerkes Al Kaida von Osama bin Laden sei. Während der Gespräche hätten sich alle Parteien darüber verständigt, dass es nur auf dem Gesprächswege eine Lösung für den Konflikt gebe.
CNN berichtete weiter, dass es möglicherweise weitere Treffen zum Afghanistan-Konflikt in Saudi-Arabien geben werde. Karsai hatte sich erst vergangene Woche mit einem neuen Friedensappell an die radikal- islamischen Taliban gewandt, um Gewalt und Blutvergießen im Land zu beenden.
Krieg ist nicht zu gewinnen
Auch der britische Befehlshaber in Afghanistan hat sich für Verhandlungen mit den Aufständischen ausgesprochen. Sollten die Taliban bereit sein, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und über eine politische Einigung zu sprechen, so könne dies dem Aufstand ein Ende setzen, sagte Brigadegeneral Mark Carleton-Smith der Zeitung "Sunday Times". "Wir werden diesen Krieg nicht gewinnen", so Carleton-Smith.
Der Kommandeur steht mit seiner Meinung nicht alleine: NATO-Vertreter und Diplomaten haben sich wiederholt für Verhandlungen mit den Extremisten ausgesprochen und betont, dass die Taliban alleine mit militärischen Mitteln nicht in den Griff zu bekommen seien.
Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jusuf erteilte daraufhin aber jeglichen Verhandlungen eine Absage. Die Taliban würden niemals Gespräche mit Eindringlingen führen. Jusuf forderte zudem den bedingungslosen Abzug ausländischer Truppen aus Afghanistan. Die Gewalt in dem Land hat mittlerweile den höchsten Stand seit dem Sturz der Taliban-Regierung durch US-geführte Truppen 2001 erreicht.
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