Samstag, 06. September 2008
Fußballdiplomatie: Gül besucht Armenien
Als erster türkischer Präsident hat Abdullah Gül den einstigen Erzfeind Armenien besucht. Er und sein armenischer Amtskollege Sersch Sarksjan gingen gemeinsam zum Fußball-WM-Qualifikationsspiel in Armeniens Hauptstadt Eriwan.
Gül ist der erste türkische Staatschef, der nach Armenien reist. Ankara und Eriwan unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Das Verhältnis beider Länder ist wegen unterschiedlicher Deutungen der Massaker an der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich 1915 belastet.
Mehr als nur ein Spiel
"Wir hoffen, dass wir guten Willen zeigen können, um die Probleme zwischen unseren beiden Ländern zu lösen und sie nicht auf künftige Generationen zu übertragen", sagte Sarksjan nach dem Spiel, das die Türkei 2:0 gewann. Auch Gül setzte seine Hoffnungen darauf, dass das Fußballspiel für die Annäherung der beiden Länder hilfreich ist. "Dieses Spiel hat weit mehr Bedeutung, als einfach das erste Spiel zwischen den Nationalteams der Türkei und Armenien zu sein", sagte er bei seinem Abflug in Ankara.
Die Türkei hatte die Grenzen nach Armenien 1993 geschlossen, nachdem die frühere Sowjetrepublik Teile Aserbaidschans im Streit über die Enklave Nagorno-Karabach besetzt hatte.
Dass das Fußballspiel erst ein vorsichtiger Anfang ist, zeigte die Reaktion der armenischen Fans. Sie buhten als die türkische Nationalhymne gespielt wurde und Demonstranten in den Straßen Eriwans hielten Plakate mit der Aufschrift "1915 - Nie wieder" oder "Wir verlangen Gerechtigkeit" hoch.
Historiker sollen entscheiden
Angesichts des erbitterten Streits zwischen Ankara und Eriwan über die Bewertung von Verbrechen an Armeniern im Osmanischen Reich erneuerte der türkische Außenminister Ali Babacan einen türkischen Vorschlag aus dem Jahr 2005, eine gemeinsame Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschehnisse während des Ersten Weltkriegs einzurichten.
Über die Auslegung von Geschichte sollten nicht Politiker, sondern Historiker entscheiden, betonte der Außenminister. Armenien wirft den Türken einen gezielten Völkermord mit 1,5 Millionen Toten vor. Die Türkei lehnt die Einstufung als Genozid ab und beziffert die Zahl der getöteten Armenier auf zwischen 300.000 und einer halben Million.
Hintergründe zur Nachricht
Politik
-
Noch mehr Tote bei Massaker in Hula
UN-Sicherheitsrat tagt
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt
-
Zustimmung zum Fiskalpakt
Schwarz-Gelb macht Druck