Jugendliche frustriertHälfte ohne Ausbildungsplatz
Nur jeder zweite Jugendliche findet tatsächlich auch einen Ausbildungsplatz. Vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund verschlechtern sich die Aussichten dramatisch, ergibt eine Studie.
Ausländische Arbeitgeber in Deutschland wollen ein Zeichen für bessere Integration setzen und bis 2010 rund 10.000 neue Lehrstellen für nichtdeutsche Jugendliche schaffen. Das kündigten führende Wirtschaftsverbände mit Blick auf die aktuelle Debatte über die Eingliederung junger Zuwanderer an.
Chancen stehen schlecht
Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" hat nur jeder zweite Jugendliche, der im Frühjahr 2005 eine Lehrstelle suchte, auch tatsächlich einen Ausbildungsplatz gefunden. Das Blatt beruft sich auf die Schulabsolventenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn. Vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund hätten sich die Aussichten dramatisch verschlechtert, heißt es in der Studie. Nur jeder vierte ausländische Jugendliche konnte demnach seinen Lehrstellenwunsch realisieren.
Berufliche Perspektivlosigkeit
Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), ist berufliche Perspektivlosigkeit von Jugendlichen auch ein Grund für die zuletzt diskutierten Fälle von Schulgewalt in Berlin. Das Bundesforschungsministerium rief die 300.000 ausländischen Arbeitgeber, die im Mittelstand rund eine Million Mitarbeiter und 25.000 Auszubildende beschäftigen, zu größeren Anstrengungen auf. "Integration ist keine Einbahnstraße. Dazu müssen Unternehmen mit ausländischen Inhabern noch mehr beitragen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Andreas Storm (CDU).
Ausländer bilden nicht aus
Die Beteiligung der vor allem türkischen, griechischen und italienischen Kleinbetriebe an der Ausbildung sei mit einem Anteil zwischen 6 und 15 Prozent "deutlich unterdurchschnittlich". Der Bundesdurchschnitt der Wirtschaft liegt bei 23 Prozent. Derzeit haben 37 Prozent der ausländischen Jugendlichen keine abgeschlossene Berufsausbildung – bei deutschen Heranwachsenden sind es 11 Prozent. Von 1999 bis 2004 ging in den zehn westdeutschen Bundesländern die Zahl aller Auszubildenden um 5,1 Prozent zurück – die der ausländischen Lehrlinge schrumpfte um 29,1 Prozent.
Integrationsbereitschaft einfordern
Nach Einschätzung von Bischof Wolfgang Huber sollte der Staat künftig verstärkt Integrationsbereitschaft von Ausländern verlangen. "Ein Gemeinwesen darf auch etwas erwarten und einfordern", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der "Passauer Neuen Presse". Huber betonte, Integration sei "immer ein zweiseitiger Vorgang". Dazu gehöre für Ausländer auch, "die Verkehrssprache des Landes zu beherrschen". Man dürfe nicht zulassen, "dass Kinder in unsere Schulen kommen, die nicht ausreichend kommunizieren können. Aber sie dürfen für die Versäumnisse ihrer Eltern nicht bestraft, sondern müssen ausreichend gefördert werden."