Sonntag, 12. Oktober 2008
Schwerste Verletzungen: Haider war sofort tot
Der österreichische Rechtspolitiker Jörg Haider hat einem vorläufigen Obduktionsbericht zufolge nach seinem Autounfall keine Überlebenschance gehabt. Haider habe mehrere jeweils tödliche Verletzungen erlitten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz. Haider sei auf der Stelle tot gewesen.
Jede der festgestellten schweren Verletzungen hätte schon allein zum Tod geführt. Die Untersuchung des Autowracks habe ergeben, dass der Dienstwagen technisch völlig in Ordnung war.
Das rechtspopulistische Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) ernannte unterdessen den bisherigen Generalsekretär Stefan Petzner (27) zum neuen Parteichef. Eine Wiedervereinigung der BZÖ mit der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) sei für ihn kein Thema.
Viel zu schnell unterwegs
Haider war in der Nacht zum Samstag mit seinem Dienstwagen im Süden von Klagenfurt von der Straße abgekommen und gegen einen Betonpfeiler geprallt. Der 58-jährige Landeshauptmann von Kärnten war auf dem Heimweg von einer Abendveranstaltung. Den bisherigen Untersuchungen zufolge fuhr Haider viel schneller als erlaubt. Zum Unfallzeitpunkt habe seine Geschwindigkeit 142 Stundenkilometer statt des vorgeschrieben Tempos 70 betragen. Weitere 100 Meter nach der eigentlichen Unfallstelle wird das Tempo auf 50 Stundenkilometer verringert. Das Unfallauto, ein Phaeton V6 mit Allradantrieb, wurde bei dem Crash total zerstört. So seien beim Eintreffen der Rettungskräfte beide Vordertüren herausgerissen gewesen, in der Windschutzscheibe habe ein großes Loch geklafft.
Politisch untragbar
Haider war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der österreichischen Politik. 1999 war seine damalige Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) aus den Parlamentswahlen als zweite Kraft hinter der konservativen ÖVP hervorgegangen und von ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel in eine Regierungskoalition geholt worden. Haider selbst war im Kabinett nicht vertreten, da er wegen seiner Äußerungen zum Nationalsozialismus als untragbar galt. So hatte er Konzentrationslager als "Straflager" bezeichnet und von einer "ordentlichen Beschäftigungspolitik" des Dritten Reichs gesprochen. Bei den Parlamentswahlen Ende September erzielte Haiders neue Partei, das nach einem Zerwürfnis mit der FPÖ gegründete Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), einen Stimmenanteil von elf Prozent.
Vom Glück verlassen
Haiders schnelle und kurvenreiche Karriere wäre vor 15 Jahren fast schon einmal durch einen Autounfall beendet worden. Im August 1993 verlor er die Kontrolle über seinem weißen BMW und flog mit dem Auto über eine Böschung, der Politiker überlebte den schweren Unfall jedoch leicht verletzt. In der Nacht auf Samstag verließ ihn das Glück. Haider war verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern.
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