Dienstag, 12. April 2011
Verfassungsschützer und Überläufer: Hansjoachim Tiedge gestorben
Der frühere Top-Verfassungsschützer Hansjoachim Tiedge, der Jahre vor der deutschen Einheit aufsehenerregend in die DDR übergelaufen war, ist nach Angaben seines Verlags tot. Tiedge sei wenige Wochen vor seinem 74. Geburtstag an seinem Wohnort in der Nähe Moskaus am 6. April gestorben, hieß es.
Der Frontenwechsel des hochrangigen Verfassungsschützers Tiedge 1985 galt als die bis dahin schwerste Panne in der Geschichte des Verfassungsschutzes. Tiedge wurde in der Bundesrepublik wegen Landesverrats gesucht. Kurz vor der deutschen Einheit flog ihn der russische Geheimdienst KGB deshalb aus der untergehenden DDR aus, wo Tiedge in der Nähe Berlins lebte.
Der Verfassungsschutz konnte auf Anfrage die Todesmeldung nicht bestätigen. Schon seit Jahren gebe es zu dem Fall Tiedge keine Informationen mehr.
Tiedge war im Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz für den Bereich DDR-Spionageabwehr zuständig. In einer Autobiografie schilderte er neben seiner Arbeit auch seine verfahrene private Situation, die ihn zur Flucht veranlasste. Dem Alkohol verfallen, mit einem Berg an Schulden und von einer Versetzung bedroht, fuhr er in einem Zug über die DDR-Grenze und offenbarte sein Wissen über die Systematik der Spionageabwehr. Der damalige Chef des Verfassungsschutzes, Heribert Hellenbroich, nahm daraufhin seinen Hut.
dpa
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