Regime erobert Ort wohl zurückHeftige Kämpfe um Bir Ghanam

Lange können die libyschen Rebellen den Ort Bir Ghanam nicht halten. Nach nur einem Tag verkündet das Regime von Gaddafi die Rückeroberung. Das Leben sei wieder "zur Normalität zurückgekehrt", heißt es. Die Rebellen stoßen derweil auch gegen die Ölstadt Brega vor.
Die libyschen Rebellen und die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi haben sich an ihrer Westfront heftige Kämpfe um den strategisch wichtigen Ort Bir Ghanam geliefert. Die Kleinstadt rund 80 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tripolis war zunächst unter der Kontrolle der Aufständischen. Nach Angaben der libyschen Regierung eroberten die Gaddafi-Truppen den Ort aber zurück.
Bir Ghanam sei wieder unter Kontrolle der libyschen Führung, sagte Regierungschef Baghdadi Mahmudi in Tripolis. Das Leben sei dort wieder "zur Normalität zurückgekehrt". Tags zuvor hatten die Rebellen nach Angaben mehrerer ihrer Kommandeure die Regierungstruppen aus der strategischen wichtigen Ortschaft vertrieben. Die Kleinstadt liegt in der bergigen Region Nafusa, in der die Rebellen Trainingslager für ihre Kämpfer unterhalten sollen. In der Nähe von Bir Ghanam verläuft derzeit die Westfront.
Wie ein Augenzeuge berichtete, rückten am Samstag auch mehrere hundert Rebellen in den Norden vor. Sie näherten sich bis auf 40 Kilometer der Stadt Surman, die wiederum etwa 20 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis liegt. Entlang der Strecke stiegen schwarze Rauchwolken auf; zahlreiche ausgebrannte Fahrzeuge von Gaddafis Armee waren zu sehen.
Vorstoß gegen Brega
Nach eigenen Angaben rückten die Aufständischen zudem auf die strategisch wichtige Hafenstadt Brega vor. Einem Sprecher zufolge erschweren von Regierungssoldaten versteckte Landminen aber den Vormarsch. Wegen seines Seezugangs und der Öl-Raffinerie ist Brega für die Rebellen von großer Bedeutung. Sollten die Aufständischen die Stadt einnehmen, könnten sie mit den Einnahmen aus dem Ölexport ihren Kampf gegen die Streitkräfte Gaddafis leichter finanzieren.
Die Rebellen werden bei ihrem Kampf gegen die Herrschaft Gaddafis vom Westen unterstützt. Eine internationale Koalition unter Führung der NATO fliegt seit Mitte März Luftangriffe auf Truppen Gaddafis; ein UN-Mandat erlaubt den Einsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung.
Am Samstag griff das Bündnis nach eigenen Angaben 45 Ziele in Libyen an, darunter ein Munitionslager und ein Raketenwerfersystem in der Gegend um Bir Ghanam. Deutschland ist an dem Einsatz nicht beteiligt und hatte sich bei der entsprechenden Entscheidung im UN-Sicherheitsrat enthalten.