Kämpfe in Sri LankaHilfe für Zivilisten eingestellt
Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen auf Sri Lanka haben mindestens 10.000 in die Flucht getrieben. Unterdessen setzten die Regierungstruppen ihre Kämpfe fort.
Die Regierung Sri Lankas hat die humanitäre Hilfe für die Zivilisten im umkämpften Nordosten Sri Lankas vorübergehend eingestellt. Aufgrund der heftigen Gefechte zwischen Armee und tamilischen Rebellen gebe es kein "sicheres Gebiet" mehr, in das Lebensmittel und andere Hilfsgüter geliefert werden könnten, zitierte die in Colombo erscheinende Zeitung "Sunday Times" einen Vertreter der Regierung. Zudem hätten die Hilfsorganisationen, die noch in der Region tätig sind, nicht ausschließen können, dass Lieferungen von den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) beschlagnahmt werden.
Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sagte der "Sunday Times", ein vierstündiges "humanitäres Fenster" sei ausreichend, um die Betroffenen zu versorgen. Zudem sei man sich der Gefahr durch die LTTE bewusst. "Dennoch hoffen wir auf ein positives Signal der Regierung", so die Sprecherin. Nach Medienberichten hatte zuletzt Ende Januar ein gemeinsamer Konvoi von Regierung, UN und Internationalem Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) die Region erreicht.
250.000 Zivilisten sitzen fest
Internationale Hilfsorganisationen schätzen unterdessen, dass in dem Gebiet noch rund 250.000 Zivilisten festsitzen. Die Hilfswerke haben die Konfliktparteien mehrfach aufgefordert, Sicherheit und Versorgung der Zivilbevölkerung zu garantieren. Nach Regierungsangaben sind in den vergangenen Tagen mindestens 10.000 Menschen aus dem Kampfgebiet geflohen. Die Zivilisten seien in Kilinochchi mit Medikamenten, Nahrung und Wasser versorgt worden, erklärte das srilankische Verteidigungsministerium.
Es beschuldigte die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), die Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen. Die Berichte über Flüchtlings- und Armeebewegungen sind allerdings von unabhängiger Seite nicht zu prüfen, da Journalisten und internationale Beobachter nicht in das Konfliktgebiet reisen dürfen.
Angriffe fortgesetzt
Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse forderte die Tamilen-Rebellen unterdessen erneut zur Aufgabe auf. "Ich sage den Tigern: Legt eure Waffen nieder und ergebt euch den Sicherheitskräften", sagte Rajapakse auf einer Kundgebung. Der Armee-Einsatz "gegen den Terrorismus" werde so lange dauern, "bis wir unser Ziel erreicht haben".
Die srilankische Armee setzte nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf Rebellenstellungen auch am Wochenende fort. Am Freitag wurden demnach bei einem Bombenangriff auf einen Tamilen-Stützpunkt mindestens elf Aufständische getötet. In der Region Mullaittivu drängte die Armee laut Verteidigungsministerium einen Gegenangriff der Rebellen zurück.
Die Regierung in Colombo sieht in ihrer jüngsten Militäroffensive die Schlussphase des Kampfes gegen die LTTE, die seit 36 Jahren für einen unabhängigen Staat im Norden Sri Lankas kämpft. Seit Mitte 2007 ist das von den Befreiungstigern kontrollierte Gebiet erheblich geschrumpft - derzeit wird es noch auf weniger als hundert Quadratkilometer Dschungel geschätzt. In dem Konflikt starben schätzungsweise 70.000 Menschen.