Montag, 11. Januar 2010
"Operation Dachboden": Holocaust-Museum sucht Briefe
Ulrich W. Sahm
Das Holocaust-Museum im Kibbuz Lochamei Haghettaot ruft zur "Operation Dachboden" auf. Das Ziel: Briefe, Fotografien und Gegenstände aus der Zeit des Holocaust zu retten und auszustellen.
Eines der berühmtesten Dokumente von Opfern des Holocaust: Das Tagebuch der Anne Frank.
(Foto: picture-alliance / dpa)
Das Holocaust-Museum im Kibbuz Lochamei Haghettaot im Norden Israels hat die „Operation Boidem“ (Dachboden) initiiert, um Dokumente, Briefe, Tagebücher, Alben, Fotografien und Gegenstände im Zusammenhang mit dem Holocaust zu sammeln. So will das Museum und die Forschungsstätte historische Objekte aus aller Welt und besonders aus Deutschland und Österreich retten, die noch auf Dachböden oder in Kellern lagern und auf dem Sperrmüll landen könnten.
Erst kürzlich gelangte das Tagebuch von Paula Alster, einer Kämpferin des Warschauer Ghettos, zu der Gedenkstätte. Paulas Schwester Wanda fand neben der Leiche Paulas ein halb verbranntes handschriftliches Tagebuch. Wanda überlebte den Aufstand und verstaute das Tagebuch auf ihrem Dachboden in Israel. Sie schaute es sich nie mehr an. Nach ihrem Tod entschied ihr Sohn Nachie Rothenberg, es dem Museum in Lochamei Haghettaot zu übergeben. Es hat einen unschätzbaren Wert für jene, die das Gedenken an diesen Aufstand erforschen und würdigen.
Das Tagebuch wurde restauriert, um einen Zerfall der Seiten zu verhindern. Es wurde übersetzt und ist heute eine Fundgrube für Informationen über den Aufstand, die Vernichtung des Warschauer Ghettos im April 1943 und über die Konzentration der Juden auf dem Umschlagplatz vor ihrer Deportation per Eisenbahn zum Fiantova Lager.
Nachie Rothenberg sagte bei einer Feier im Museum: „In unserem Haus wurde über den Holocaust gesprochen, aber der Dachboden blieb immer tabu.“ Nach dem Tod verspürte er einen tiefen Drang, die Niederschrift der Ereignisse an professionelle Hände zu übergeben.
Ulrich W. Sahm
Der Nahe Osten ist sein Metier. Ulrich W. Sahm berichtet seit Mitte der 1970er Jahre aus der Region. Er ist immer auf der Suche nach der Geschichte hinter der Nachricht.
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