Samstag, 28. Oktober 2006
Deutsche Kriegsschiffe: Im Visier der Israelis
Beim UN-Einsatz vor der libanesischen Küste ist es möglicherweise bereits mehrfach zu kritischen Situationen zwischen israelischen Streitkräften und deutschen Kriegsschiffen gekommen. Einem "Focus"-Bericht zufolge peilten israelische Kampfjets mit ihrem Feuerleitradar deutsche Bordhubschrauber in libanesischen Gewässern an. Dies sei üblicherweise der letzte Schritt vor dem scharfen Schuss, berichtet das Magazin.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) wolle das Verhalten bei seinem Israel-Besuch in der kommenden Woche ansprechen. Es gehe vor allem darum, die Abstimmung mit Israel verbessern. Sein israelischer Kollege Amir Perez habe darum gebeten, "dass wir bei der Kooperation mit dem Staat Israel noch zu Verbesserungen kommen", sagte Jung der " Welt". "Ich gehe davon aus, dass sich eine solche Situation nicht wiederholt."
Der Streit um einen israelischen Scheinangriff auf das deutsche Aufklärungsschiff "Alster" gilt dagegen als beigelegt. Jungs Ministerium versuchte am Freitag, den Zwischenfall zwischen dem deutschen Aufklärungsschiff und mehreren israelischen Kampfflugzeugen vor der israelischen Küste herunterzuspielen. Ministeriumssprecher Thomas Raabe sagte, "nach unserem Stand" sei die "Alster" 50 Seemeilen von der Küste entfernt gewesen, als sechs F16-Kampfflugzeuge über sie hinweggeflogen seien. Zwei Schüsse hätten sich dabei - "nicht zielgerichtet" -gelöst.
Raabe fügte - unter Verweis auf ein "gutes Gespräch" zwischen Jung und Israels Verteidigungsminister Amir Perez sowie auf den in der kommenden Woche bevorstehenden Israel-Besuch Jungs -hinzu: "Es gibt aus unserer Sicht keine Probleme." Die israelische Luftwaffe korrigierte am Freitag zum wiederholten Male ihre Darstellung des Hergangs. Bei dem Zwischenfall habe es sich nach Angaben israelischer Militärkreise möglicherweise um ein Missverständnis gehandelt. Zu keiner Zeit hätten israelische Flugzeuge jedoch deutsche Streitkräfte beschossen.
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sieht trotz der Zwischenfälle keine Gefahr für den UN-Einsatz der Marine. "Das, was jetzt an Zwischenfällen geschehen ist, macht den Einsatz nicht gefährlicher", sagte er am Samstag zu Beginn eines viertägigen Besuches in Jerusalem der Nachrichtenagentur dpa. "Ich gehe davon aus, dass sich dies nicht wiederholt." Israel wolle die Angelegenheit nach seiner Einschätzung "aus der Welt schaffen".
"Mit meinem Besuch möchte ich ein Zeichen der Solidarität mit Israel setzen und zum Ausdruck bringen, dass Deutschland auch in schwierigen Zeiten unverbrüchlich zu dem Existenzrecht Israels steht", sagte der Unionsfraktionschef. Er ist bis zum Dienstag mit einer Delegation in Jerusalem, zu der auch der CSU-Landesgruppenvorsitzende Peter Ramsauer gehört. Neben politischen Gesprächen ist eine Fahrt zur libanesischen Grenze und ein Besuch mit Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem geplant.
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