Politik

IAEA schlägt AlarmImmer mehr Atommächte

16.05.2009, 09:03 Uhr

Laut IAEA könnten bald zahlreiche Staaten über das notwendige Wissen zum Bau von Sprengköpfen verfügen und in der Lage sein, Plutonium oder hochangereichertes Uran herzustellen

Die Anzahl von Staaten im Besitz von Atomwaffen könnte sich nach Befürchtungen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln. Insbesondere der Nahe Osten sei eine "tickende Zeitbombe", sagte IAEA-Chef Mohammed ElBaradei der britischen Zeitung "The Guardian". Hier sei die Gefahr einer Verbreitung dieser Waffen besonders groß, solange die großen Atommächte keine drastischen Maßnahmen zur Abrüstung ergriffen. ElBaradei zufolge drohen die internationalen Mechanismen zur Begrenzung von Atomwaffen auseinanderzubrechen.

Wie ElBaradei weiter sagte, könnten bald zahlreiche Staaten über das notwendige Wissen zum Bau von Sprengköpfen verfügen und in der Lage sein, Plutonium oder hochangereichertes Uran herzustellen. Diese Länder würden jedoch vor dem Zusammenbau einer Waffe Halt machen. Somit hielten sie sich zwar an die Regelungen des Atomwaffensperrvertrags, wären jedoch nur wenige Monate von der Fertigstellung einer Atombombe entfernt.

"Das ist möglicherweise das Phänomen, das wir im Iran sehen und worüber wir uns Sorgen machen. Bald wird es neun Staaten mit Atomwaffen geben und wahrscheinlich zehn bis zwanzig weitere, die kurz vor dem Bau einer Atombombe stehen", sagte ElBaradei, der im November nach elf Jahren als Chef der IAEA ausscheidet. Vor allem der wachsende Einfluss der Taliban in Pakistan bereitete ihm Sorgen. Die Beschaffung von Atomwaffen durch eine Terror-Gruppe sei die größte Bedrohung für die Welt, sagte er weiter.