Politik

Zwei Tote bei DemonstrationenIn Kairo fliegen die Steine

04.05.2012, 21:30 Uhr
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Ägyptische Sicherheitskräfte gehen mit Wasser-Kanonen gegen die Demonstranten vor. (Foto: dpa)

Mubarak ist Geschichte - jetzt richtet sich die Wut der ägyptischen Demonstranten gegen das Militär. "Nieder mit Feldmarschall Tantawi", rufen die Demonstranten. Wieder fliegen in Kairo die Steine. Zwei Menschen sterben. Das staatliche TV überträgt Livebilder von den Ausschreitungen.

Ägypten kommt nicht zur Ruhe: Bei Demonstrationen in Kairo sind mindestens zwei Menschen getötet und etwa 130 weitere verletzt worden. Ärzte des Universitätskrankenhauses sprachen am Abend von zwei Toten, die durch Schüsse ums Leben gekommen seien. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, 170 Verdächtige seien festgenommen worden. Die Armee, die von der Polizei unterstützt wurde, setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Angaben von Augenzeugen flogen von beiden Seiten Steine. In Kairo und in Alexandria hatten im Lauf des Tages Tausende gegen die Machtausübung durch das Militär demonstriert. Der Militärrat verhängte eine nächtliche Ausgangssperre in der Umgebung des Verteidigungsministeriums, in der es in den vergangenen Tagen wiederholt schwere Auseinandersetzungen gegeben hatte.

Anders als bei früheren Demonstrationen übertrug das staatliche Fernsehen Live-Bilder von den Ausschreitungen, an denen sich Hunderte Demonstranten beteiligten. Bis zum späten Nachmittag zählten Augenzeugen und Polizisten 16 Verletzte: zwölf Demonstranten und vier Soldaten.

Der Protest richtete sich gegen den Obersten Militärrat, der nach dem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak im Februar 2011 die Macht übernommen hatte. Die Generäle hatten nach blutigen Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Schlägertrupps in dem Viertel erklärt, sie würden keine Demonstrationen mehr vor dem Ministerium dulden.

Es gibt auch friedliche Demonstrationen

Auf dem zentralen Tahrir-Platz fand zur gleichen Zeit eine Demonstration gegen das Militär und gegen die Übergangsregierung statt, die friedlich blieb. Tausende Aktivisten und Parteimitglieder aus verschiedenen politischen Lagern hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Sie forderten eine rasche Machtübergabe der Militärs an eine zivile Regierung und die Entlassung von Ministerpräsident Kamal al-Gansuri. Auch die Muslimbrüder, die im ägyptischen Parlament die größte Fraktion bilden, beteiligten sich an dem Protest.

In dem Viertel vor dem Verteidigungsministerium war es diese Woche zu blutigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Schlägertrupps gekommen. Die Polizei hatte erst sehr spät eingegriffen. Nach offiziellen Angaben starben neun Zivilisten.

Die Ägypter sollen am 23. Mai einen Nachfolger für Mubarak wählen, der inzwischen in Kairo vor Gericht steht. Der Militärrat hatte nach seinem Abgang die Machtbefugnisse des Präsidenten übernommen.

Quelle: ntv.de, dpa