Donnerstag, 24. Juni 2010
Politiker dürfen nach Gaza: Israel macht die Kehrtwende
Die israelische Regierung lädt den italienischen Außenminister Frattini sowie eine kleine Delegation europäischer Spitzendiplomaten zu einem Besuch in den Gazastreifen ein. Sie sollen sich "davon überzeugen, dass in dem Palästinensergebiet keine humanitäre Krise herrscht".
Das Leben im Gazastreifen ist alles andere als gemütlich. Mit dem Betonboykott verhinderj die Israelis den Wiederaufbau des kleinen Palästinensergebietes.
(Foto: AP)
Israel hat nur wenige Tage nach dem Eklat um Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) eine Kehrtwende in seiner bisherigen Gaza-Politik vollzogen. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman lud seinen italienischen Amtskollegen Franco Frattini sowie eine kleine Delegation europäischer Spitzendiplomaten zu einem Besuch im Gazastreifen ein. Das berichteten die israelischen Medien übereinstimmend unter Berufung auf Regierungskreise.
Israel hat nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas-Organisation im Juni 2007 bis auf wenige Ausnahmen keine Minister oder Diplomaten anderer Länder in den Gazastreifen reisen lassen. Ausnahmeregelungen galten unter anderem für UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie zuletzt für die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Als Grund für den Boykott gab Israel an, dass ein "politischer Reisetourismus" die Hamas stärken und sie als legitime Herrscherin des Gazastreifens erscheinen lassen würde. Zuletzt hatte das israelische Außenministerium dem deutschen Entwicklungshilfeminister Niebel Ende vergangene Woche die Einreise verwehrt.
Nach Informationen der Tageszeitung "Jerusalem Post" soll jetzt einer Gruppe von sieben europäischen Außenministern ein Besuch des Gazastreifens gestattet werden. Sie sollen sich nach israelischen Angaben davon überzeugen, dass in dem kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer keine humanitäre Krise herrscht.
Gespräche mit Hamas-Funktionären untersagt
UN-Hilfsorganisationen hatten wegen der großen Armut, der hohen Arbeitslosigkeit und der massiven Abhängigkeit von ausländischer Hilfe ein entsprechend düsteres Bild gezeichnet. Die europäischen Minister sollen den Angaben zufolge nicht mit Hamas-Funktionären zusammentreffen.
Die Europäische Union hatte immer wieder Zugang zum Gazastreifen verlangt. Zuletzt hatte Niebel seinen Besuchswunsch unter anderem damit begründet, dass er persönlich sehen wolle, in welche Projekte Geld deutscher Steuerzahler fließe.
dpa
Hintergründe zur Nachricht
Politik
-
Schlag gegen Terror-Organisation
Eta-Anführer gehen ins Netz
-
Noch mehr Tote bei Massaker in Hula
UN-Sicherheitsrat verurteilt Syrien scharf
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt