Schavan und Aigner suchen Lösung"Jein" zu grüner Gentechnik
Bundesforschungsministerin Schavan will den Streit über Gentechnik mit Landwirtschaftsministerin Aigner mit einem Runden Tisch entschärfen. Bislang sind sich die Ministerinnen aber nur in der Zielsetzung einig.
Der Streit in der Bundesregierung um den Umgang mit Gentechnik ist noch nicht beigelet. Zwar betonten sowohl Bundesforschungsministerin Annette Schavan als auch Agrarministerin Ilse Aigner, auf grüne Gentechnik als Zukunftstechnologie setzen zu wollen. Bei einer Expertenrunde unter Leitung der beiden Ministerinnen blieben die Fronten zwischen Gegners und Befürwortern aber weiter verhärtet.
"Wir wollen eine verantwortungsbewusste und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Pflanzengenetik", sagte Schavan nach dem Treffen. Ihre Kabinettskollegin Aigner sagte, die Biotechnologie könne einen Beitrag leisten, "Energie und Ressourcen zu sparen, gesünderes Tierfutter oder Pflanzen der Zukunft zu erzeugen". An dem erstmals einberufenen Runden Tisch nahmen Vertreter von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Kirchen teil. Das Treffen solle Auftakt für eine sachliche Diskussion zu dem Thema sein, kündigte Schavan an.
Zwischen beiden Ministerinnen war es unlängst zu Verstimmungen gekommen, nachdem Aigner die Aussaat von Genmais der Sorte MON 810 des US-Konzerns Monsanto verboten hatte. Die CSU-Politikerin hatte sich auf neue Studien zu Risiken für Pflanzen und Insekten bezogen. Schavan hatte die Entscheidung kritisiert und vor einem Verlust an Attraktivität für den Forschungsstandort Deutschland gewarnt. Unmittelbar darauf hatte sie den Runden Tisch angekündigt.
Beitrag für Ernährung
Schavan sagte, im Austausch der Argumente müsse jetzt vorbereitet werden, was in der nächsten Dekade in der Pflanzen-Biotechnologie möglich sein solle. "Wenn wir uns darauf verständigen, dass Forschung und Entwicklung bei der Pflanze als grüne Fabrik für nachwachsende Rohstoffe und Energie sehr wichtig sind, ist das eine gute Basis für die Fortsetzung des Dialogs." Aigner unterstrich, die Anwendung der grünen Gentechnik müsse immer in Verantwortung für Mensch und Umwelt geschehen. Unter anderem könne die Technologie einen Beitrag für die Welternährung leisten.
Forscher und Industrie warnten davor, dass Deutschland ins Hintertreffen gerate. Verbraucher- und Umweltschützer sehen weiter Risiken. Der Deutsche Naturschutzring warnte, die kritischen Fragen seien noch nicht beantwortet. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft kritisierte Schavan. "Dieses Bundesministerium setzt auf unverantwortliche Weise auf einen Pfad von Entwicklung", sagte Verbandschef Felix Prinz zu Löwenstein.
Die deutschen Wissenschaftsorganisationen zeigten sich besorgt, "dass wir uns von der Forschung verabschieden". Der Chemiekonzern BASF kritisierte, es dürfe nicht nur Forschung von Gentechnik geben, sondern auch Anwendung, sonst müsse Deutschland die Produkte importieren. Mehrere Wissenschaftler sehen in der Gentechnik ein notwendiges Mittel im Kampf gegen Armut und Hunger, weil die Nachfrage nach Nahrungsmitteln sich bis 2050 verdoppeln könnte. Der Vizepräsident des Bauernverbands, Udo Folgart, sagte: "Wir kommen an der grünen Gentechnik nicht vorbei." Er forderte praktikable Regeln für ein Miteinander von Gentechnik und konventionellem Anbau.
Als nächstes soll der Runde Tisch nach Angaben der Ministerinnen über die Forschung mit Genpflanzen beraten. Dabei müsse erörtert werden, unter welchen Bedingungen und wozu Freisetzungsversuche genehmigt werden sollten, sagte Aigner.
MON 810 ist die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU kommerziell angebaut werden darf. Darüber hinaus werden noch Genpflanzen zu Forschungszwecken angebaut.