Sieben Regionen: Kabul übernimmt Kommando
Afghanistans Präsident Karsai benennt die ersten sieben Regionen, in denen afghanische Sicherheitskräfte ab Juli dieses Jahres das Kommando von der ISAF übernehmen werden. Darunter ist die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif, in der die Bundeswehr das regionale ISAF-Hauptquartier führt.
Wachablösung am Hindukusch:afghanische Sicherheitskräfte sollen ab Juli dieses Jahres in sieben Regionen desLandes das Kommando von den internationalen Truppen übernehmen. Präsident HamidKarsai benannte bei einer Ansprache in Kabul die Städte und Provinzen,in denen afghanische Armee und Polizei schon bald selbst für Sicherheit sorgen sollen.Darunter ist die nordafghanische Stadt Masar-i-Scharif, in der die Bundeswehr dasregionale Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF führt.
In Eigenregie werden auchLaschkarga, die Hauptstadt der südlichen Unruheprovinz Helmand, die westafghanischeProvinzhauptstadt Herat und die Stadt Metharlam in der Provinz Laghman übernommen.Auch aus den als relativ ruhig geltenden Provinzen Bamian und Pandschir in Zentral-und Ostafghanistan will sich die NATO zurückziehen.
Auch die Provinz Kabul istmit Ausnahme des besonders gefährlichen Bezirkes Surobi betroffen. In der Hauptstadtselbst hatten afghanische Armee und Polizei bereits Ende 2008 inoffiziell die Verantwortungfür die Sicherheit von der Nato übernommen.
Karsai: Übernahme "unter allen Umständen"
Die reibungslose Übergabehänge auch von der internationalen Gemeinschaft ab, sagte Karsai. Diese müsse dasLand weiter beim Wiederaufbau und der Schaffung funktionierender Verwaltungsstrukturenunterstützen. Allerdings sei der nun eingeleitete Prozess "nicht mehr umkehrbar",so Karsai. "Die Afghanen sollten die Verantwortung für die Verteidigung desLandes unter allen Umständen selbst übernehmen."
Bundesaußenminister GuidoWesterwelle wertete die Übergabe der ersten Gebiete als Erfolg für die im vergangenenJahr festgelegte Afghanistan-Strategie. "Die Abzugsperspektive, sie wird sichtbar",sagte er in Berlin. Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung bedeute jedoch nicht,"dass wir uns komplett aus den Gebieten zurückziehen". Die ISAF werdepräsent bleiben und den Wiederaufbau sogar verstärkt fördern. Rückschläge schließtWesterwelle allerdings nicht aus.
NATO: Lassen kein Sicherheitsvakuum entstehen
Vor diesem Hintergrund dämpfteNATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen Hoffnungen auf einen baldigen Abzug dermehr als 130.000 ausländischen Soldaten aus Afghanistan. "Ich verstehe, dass(...) die Politiker unter Druck stehen, ihre Soldaten dauerhaft heimzubringen",heißt es in einer Erklärung. Es sei jedoch entscheidend, jetzt "Solidaritätund Kontinuität" zu gewährleisten, damit die Übergabe der Sicherheitsverantwortungdauerhaft funktionieren könne. "Wir sind entschlossen, kein Sicherheitsvakuumentstehen zu lassen, in dem Extremismus entstehen könnte."
Ein Sprecher der radikal-islamischenTaliban nannte den Kommandowechsel am Dienstag einen "sinnlosen Prozess",der die Aktionen der Aufständischen nicht beeinflussen werde.
Die NATO hatte Ende 2010 beschlossen, den Kampfeinsatzam Hindukusch bis 2014 zu beenden und die Sicherheitsverantwortung für das Landbis dahin schrittweise an die Afghanen zu übergeben. Ausländische Soldaten sollendanach nur noch zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Truppen im Landbleiben. Derzeit sind mehr als 140.000 Soldaten aus den USA und zahlreichen Nato-Staatenin Afghanistan im Einsatz. Darunter sind rund 5000 deutsche Soldaten.
Quelle: n-tv.de

