Dienstag, 26. April 2011
Tote bei Kämpfen mit Thailand: Kambodscha will Waffenruhe
Nachdem die Kämpfe zwischen Kambodscha und Thailand immer heftiger werden, wollen beide Länder nun über einen Waffenstillstand verhandeln. Die Initiative geht offenbar von Kambodscha aus. Grund für die Gefechte ist ein ungeklärter Grenzkonflikt.Nach tagelangen Kämpfen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze soll nach Angaben der Regierungen in Phnom Penh über eine Waffenruhe verhandelt werden. Wie die kambodschanische Regierung mitteilte, werden sich die Verteidigungsminister beider Staaten "in sehr naher Zukunft" zu Gesprächen über eine Feuerpause in Phnom Penh treffen.
Seit fünf Tagen kommt es im Grenzgebiet zwischen Thailand und Kambodscha immer wieder zu Gefechten, zumeist im Bereich umstrittener Tempelanlagen. Seit Freitag starben dabei mindestens 13 Soldaten, rund 50 wurden verletzt.
Bei einem Telefongespräch habe der thailändische Verteidigungsminister Tea Banh einem Vorschlag seines kambodschanischen Kollegen Prawit Wongsuwan zugestimmt, sich zu einem Gespräch über eine Waffenruhe zu treffen, teilte das Verteidigungsministerium in Phnom Penh mit. Ein genauer Termin wurde nicht genannt.
Thailand droht mit Eiszeit
Angesichts der anhaltenden Spannungen hatte Thailands Premierminister Abhisit Vajjajiva zuvor angekündigt, die Zusammenarbeit mit dem Nachbarn Kambodscha in allen Bereichen auf den Prüfstand zu stellen. Eine vom Kabinett in Bangkok beschlossene Resolution umfasst zudem militärische Vergeltung für kambodschanische Angriffe auf thailändisches Staatsgebiet und diplomatische Bemühungen um bilaterale Verhandlungen.
Die Kämpfe hatten sich am Dienstag noch stärker ausgeweitet. Nach Angaben der kambodschanischen Regierung gab es nahe dem bekannten Hindu-Tempel Preah Vihear Artilleriegefechte. Preah Vihear liegt rund 100 Kilometer westlich des Gebietes, in dem sich Truppen beider Seiten in den vergangenen Tagen Gefechte geliefert hatten.
USA "tief besorgt"
Ein Großteil der 798 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden Ländern ist umstritten. Im 20. Jahrhundert war die Grenze mit 73 Grenzpfählen markiert worden, von denen die Hälfte verschwunden ist. Bislang weigert sich Kambodscha, direkt mit Thailand über den Grenzstreit zu verhandeln und setzt auf eine mögliche Vermittlung durch Indonesien am 7. und 8. Mai bei der Konferenz der Vereinigung südostasiatischer Länder Asean in Jakarta. Verhandlungen im Rahmen der Asean, der beide Konfliktparteien angehören, waren Anfang April gescheitert.
Die Tempelanlage Preah Vihear war 1962 vom internationalen Gerichtshof Kambodscha zugesprochen worden. Der Tempel wurde 2008 von der UN-Kulturorganisation Unesco auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Seitdem sind die Spannungen erheblich gestiegen. Bereits im Februar waren dort bei Kämpfen mindestens fünf Soldaten getötet worden. Die neuerlichen Gefechte drehten sich bisher um die Tempelanlagen Ta Muen und Ta Kwai.
US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich "tief besorgt" über die andauernden Feuergefechte und rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Die USA hätten mit beiden Seiten direkten Kontakt aufgenommen, um eine Eskalation zu verhindern.
dpa
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