Dienstag, 28. Oktober 2008
Beweismaterial nicht übersetzt: Karadzic-Prozess hängt fest
Drei Monate nach der Festnahme des wegen Völkermordes angeklagten ehemaligen Führers der bosnischen Serben ist der Prozess gegen Radovan Karadzic ins Stocken geraten. "Im Kern sind wir noch nirgendwo hingekommen", beklagte der sichtlich verärgerte Vorsitzende Richter Iain Bonomy, der nach einer weiteren Anhörung eine Vertagung bis zum 20. Januar 2009 verkündete.
Karadzic hatte zu Beginn der erneuten Anhörung zu Verfahrensfragen vor dem UN-Kriegsverbrecher-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien geltend gemacht, dass ihm die serbokroatische Übersetzung der aktualisierten Anklageschrift erst am Vortag übergeben worden sei. Der Angeklagte, dem unter anderen die Verantwortung für das Massaker an mehr als 8000 bosnischen Muslimen 1995 in Srebrenica zur Last gelegt wird, weigerte sich, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Er habe einfach nicht genügend Zeit zum Studium der neuen Anklageschrift gehabt, erklärte Karadzic zur Begründung.
Material nicht übersetzt
Zudem stellte sich bei der Anhörung heraus, dass große Teile des Beweismaterials noch nicht in übersetzter Fassung vorliegen. Richter Bonomy kritisierte den schleppenden Verlauf der Vorbereitung des Hauptverfahrens. Dies sei "außerordentlich enttäuschend". Neben der Staatsanwaltschaft machte er dafür Karadzic verantwortlich, der trotz wiederholter Warnungen vor Komplikationen auf einen Rechtsanwalt verzichtet und nun offenbar Schwierigkeiten damit habe, sich selbst zu verteidigen.
Weniger Anklagepunkte
In der überarbeiteten Anklage wird Karadzic nunmehr Völkermord in zwei verschiedenen Fällen vorgeworfen, die vorher zusammengefasst waren. Ansonsten hatte die Staatsanwaltschaft die Zahl der einzelnen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die dem ehemaligen Serbenführer zur Last gelegt werden, von 41 auf 27 reduziert. Damit solle die Führung des Verfahrens gegen Karadzic effektiver werden, hieß es zur Begründung.
Warum die neue Anklageschrift, die in Englisch bereits seit dem 22. September vorliegt, in Serbokroatisch erst einen Tag vor der neuen Anhörung fertiggestellt werden konnte, wurde zunächst nicht bekannt. Karadzic war Ende Juni nach mehr als einem Jahrzehnt auf der Flucht überraschend in Belgrad verhaftet und wenig später an das UN-Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden.
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Schlag gegen Terror-Organisation
Eta-Anführer gehen ins Netz
-
Noch mehr Tote bei Massaker in Hula
UN-Sicherheitsrat verurteilt Syrien scharf
-
Parade in Moskau geplant
Polizei nimmt Homosexuelle fest
-
Entschädigung der Zwangsarbeiter
Seehofer macht Druck
-
Neue Lyrik über Griechenland
Spott ergießt sich über Grass
-
Wieder tote Zivilisten in Afghanistan
Nato-Bomben töten Familie
-
Umstrittenes Atomprogramm
Iran baut zweites AKW
-
Mehr als 30 tote Kinder
Massaker sorgt für Empörung
-
Rückbau der Atomruine dauert 30 Jahre
Abklingbecken sicher vor Beben
-
Anerkennung von Gesundheitsschäden
SED-Opfer warten jahrelang
-
Idealer SS-Mann und blonde Bestie
Aufstieg und Tod des Reinhard Heydrich
-
Deutsche Interessen vernachlässigt?
Steinbrück: Kanzlerin vereinsamt