Samstag, 12. September 2009
Forsa-Chef: Löcher als Problem: Kein Grund zur Panik
Klaus Schepers
Die Meinungsforschungsinstitute haben sich bei vergangenen Bundestagswahlen nicht mit Ruhm bekleckert. Mehr als fünf Prozent lagen sie beim Wahlergebnis der CDU daneben. An ihrer Methodik zweifeln sie dennoch nicht, denn bestimmte Unwägbarkeiten lassen sich eben nicht vorhersehen.
Wie genau sind die Umfragen?
(Foto: picture-alliance/ dpa)
"Unsere Instrumente waren auch damals schon ausgereift, kein Grund daran etwas zu ändern", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner, wenn man ihn heute zu den Ergebnissen der Bundestagswahl 2005 befragt. Vor vier Jahren hatten alle Wahlforschungsinstitute mindestens 40 Prozent der Stimmen für die CDU vorausgesagt, am Ende blieben der Union jedoch nur 35,2 Prozent und eine hauchdünne Mehrheit vor den Sozialdemokraten.
Die großere Differenz zwischen Prognose und Realität erklärt Güllner so: "Es gab damals eine große Diskrepanz von Kandidaten- und Parteiensympathie". Angela Merkel sei unpopulärer gewesen als Umfragen ergeben hatten. "Das haben wir unterschätzt", gibt der Forsa-Chef zu. Und das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Demoskopen rumschlagen müssen.
Statistische Löcher als Problem
Ein großes Problem bei der Berechnung der Daten sind die Nichtwähler. "Sie sind in Umfragen praktisch nicht zu quantifizieren", erklärt Güllner. Bei den Stichprobenbefragungen würden lediglich zehn Prozent sagen, dass sie nicht zur Wahl gehen. Bei einer Wahlbeteiligung von ungefähr 80 Prozent entsteht so eine große Menge von potentiellen Wählern - die letztendlich jedoch ihre Stimme gar nicht abgeben, das in einer Umfrage aber nicht zugeben wollen. Statistische Löcher sozusagen. Hinzu kommt die große Zahl der Unentschlossenen, die sich erst in der Woche vor der Wahl entscheiden.
Die guten Umfragewerte der Linkspartei in der vergangenen Woche seien vor allem auf die Ergebnisse bei den Landtagswahlen zurückzuführen, durch die nun auch Diskussionen um Koalitionsverhandlungen für Linksbündnisse entstanden sind. "Das macht die Linkspartei salonfähig", so Güllner.
Unentschlossene Wähler entscheidend
Forsa-Chef Manfred Güllner hält einen "Last-Minutes-Swing" nicht für unmöglich.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Chancen eines ähnlichen "last-minutes-swings" wie vor der Wahl 2005 hält Güllner zwar für möglich, allerdings nicht allzu wahrscheinlich. "Entscheidend ist, wie die SPD die unentschlossenen Wähler mobilisieren kann". Denn eine Mehrheit der Unentschlossenen sei dem linken Spektrum zuzuordnen. Außerdem spielen die Spitzenkandidaten dabei eine wichtige Rolle. Gerhard Schröder sei das in den beiden letzten Wahlkämpfen gut gelungen. In diesem Jahr seien die Anzeichen für ähnliche Veränderungen eher gering, denn die Zustimmungswerte zur Bundeskanzlerin sind doppelt so hoch wie die für Steinmeier.
Dass die Wahlinstitute mit den inzwischen fast täglichen Umfragen die politische Kultur beeinträchtigen, sieht Güllner nicht. "Es ist eher eine Frage, wie die Parteien damit umgehen", sagt er. Viele Politiker könnten mit den Zahlen nicht richtig umgehen und richteten sich oft zu schnell nach der Mehrheitsmeinung. Und fast entschuldigend merkt er an: "Wir ermitteln auch nur das, womit wir beauftragt werden".
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