Gesunkenes KriegsschiffKein Zeichen von der "Cheonan"

Das unter rätselhaften Umständen gesunkene südkoreanische Kriegsschiff "Cheonan" ist möglicherweise auf eine knapp 60 Jahre alte Seemine aus dem Korea-Krieg gelaufen. Inzwischen erreichen Suchteams das Heck der gesunkenen Korvette.
Drei Tage nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs nahe der umstrittenen Seegrenze zu Nordkorea ist die Hoffnung auf Rettung der noch eingeschlossenen Seeleute gesunken. Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums erreichten Suchteams das zuvor geortete Heck der im Gelben Meer gesunkenen Korvette "Cheonan". Lebenszeichen der 46 noch vermissten Seeleute gab es jedoch nicht.
Das Heck, in dem die meisten der Vermissten vermutet wurden, war am Sonntagabend per Radar geortet worden. Die Arbeiten der Marinetaucher wurden durch hohen Wellengang und eine starke Strömung erschwert. "Unsere Taucher haben mit Hämmern an das Heck geklopft, aber bis jetzt gab es noch keine Antwort aus dem Innenraum", sagte Ministeriumssprecher Won Tae Jae.
Keine Opfer gefunden
Leichen seien bislang aber noch nicht gefunden worden, hieß es beim südkoreanischen Militär. Das Wrack-Teil soll jetzt mit einer Unterwasserkamera untersucht werden. Ein US- Bergungsschiff wollte sich ebenfalls an der Rettungsaktion beteiligen.
58 der 104 Seeleute konnten bislang gerettet werden. Die Korvette "Cheonan" war nach dem Unglück nahe der Insel Baengnyeong im Gelben Meer in zwei Teile zerbrochen und dann binnen weniger Minuten untergegangen. Das Bugteil hatten Marinetaucher am Wochenende ebenfalls lokalisiert.
Südkoreas Präsident Lee Myung Bak forderte die Rettungskräfte auf, "nicht die Hoffnung zu verlieren, noch Überlebende zu finden". Möglich ist, dass sich einige der eingeschlossenen Seeleute in Schlupflöcher oder Hohlräume des Schiffes retten und so überleben konnten.
Kriegsmine als Unglücksursache
Das Kriegsschiff war nach einer noch ungeklärten Explosion am Freitag an der umstrittenen Seegrenze zu Nordkorea gesunken. Möglicherweise war es auf eine knapp 60 Jahre alten Seemine aus dem Korea-Krieg gelaufen. Während des Krieges von 1950 bis 1953 habe Nordkorea etwa 3000 Minen entlang der Küste der Koreanischen Halbinsel gelegt, sagte Kim. Einige dieser Minen könnten aufgetaucht sein, als die "Cheonan" vorbeifuhr, und die Explosion verursacht haben. "Wir haben versucht, alle Minen zu entfernen, aber das ist unmöglich,"
In ersten Medienberichten war über einen nordkoreanischen Torpedoangriff spekuliert worden. Diese Möglichkeit schloss der Verteidigungsminister aus. Angesichts des ohnehin angespannten Verhältnisses zu Nordkorea äußerten sich die Regierungen in Seoul und Washington insgesamt zurückhaltend zu einer möglichen Rolle Pjöngjangs. Südkoreas Präsident rief in seiner Erklärung zudem dazu auf, die Gründe des Unglücks genau zu analysieren und warnte vor zu schnellen Mutmaßungen, Nordkorea könne darin verwickelt sein.
Untergang in heiklem Gebiet
Die "Cheonan" war rund 1,8 Kilometer südwestlich der südkoreanischen Insel Baengnyeong untergegangen. In dem Seegebiet kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gefechten zwischen der Marine des demokratischen Südens und des kommunistischen Nordens.
Die Grenze im Gelben Meer war nach Ende des Korea-Kriegs 1953 von US-geführten UN-Truppen einseitig beschlossen worden. Nordkorea erkennt sie bis heute nicht an.