Politik
Donnerstag, 26. Januar 2012

Debatte um Top-Piratin: Keine will zweite Marina werden

von Karin Schädler

Mit dem Rückzug von Marina Weisband verliert die männerlastige Piratenpartei ihr weibliches Aushängeschild. Wer sie ersetzen kann, ist unklar. Prominente Frauen in der Partei winken ab. Und Weisband versucht, das Gespräch wieder auf die "wichtigen" Themen zu lenken.

Marina Weisband
Marina Weisband(Foto: dpa)

Marina Weisband hat die Mitglieder der Piratenpartei aufgefordert, die Debatte um ihren Rückzug von Parteiämtern zu beenden. "Können wir jetzt wieder zu den sehr wichtigen Themen kommen?", schreibt sie auf Twitter und verweist darauf, dass eine Delegation der EU gerade ein umstrittenes Abkommen gegen Internet-Piraterie unterzeichnet hat. Die noch bis April amtierende politische Geschäftsführerin stört auch, dass die Medien ihren Rückzug so wichtig nehmen. "Ist das nu so überraschend, dass ich neben der Diplomarbeit keinen Verwaltungsjob machen kann?", schreibt Weisband.

Doch die Diskussion geht weiter, auch unter ihren Parteifreunden. Schließlich zieht sich mit Weisband eine Piraten-Politikerin zurück, die eine herausragende Rolle in der Partei gespielt hat. Als politische Geschäftsführerin gelang es ihr, durch eine starke Medienpräsenz das öffentliche Bild der männerlastigen Piratenpartei zu verändern. Daher steht nun die Frage im Raum, ob eine andere Frau in Zukunft ihre Rolle einnehmen wird. Gefion Thürmer, die einzige andere Frau im Piraten-Bundesvorstand, winkt ab. Sie habe eine Medienanfrage abgelehnt, weil sie sonst womöglich die zweite Marina Weisband werde, schreibt sie auf Twitter. Sie wolle Politikerin sein und nicht immer nur "eine Frau bei den Piraten". Weder die Partei noch Thürmer selbst wollten, dass sie zu einer "Ersatz-Gallionsfigur" werde, sagte der Piraten-Pressesprecher Christopher Lang n-tv.de.

Auch Julia Schramm, eine weitere prominente Frau in der Piratenpartei, möchte offenbar zurzeit nicht unbedingt im Fokus stehen. Eine Interviewanfrage von n-tv.de lehnte sie jedenfalls ab. Wundern kann das kaum, denn auch Weisband fand den Medienrummel schnell anstrengend. "Ich hasse es schon, dass ich so weit im Vordergrund stehe", schrieb sie im Dezember in ihrem Blog (der am Nachmittag zeitweise überlastet war). Ihre Medienpräsenz bestehe fast nur in Kommentaren über ihre Frisur, ihre Kleidung, ihre Hobbys und ihre Art.

"Trag mir die verdammte Tasche"

Dennoch wünschen sich auch einige weibliche Mitglieder, dass Frauen bei den Piraten eine größere Rolle spielen. "Schön wäre, wenn Ihr mal voll Power macht", twittert Piratin2_0 an einige prominente Frauen in der Partei.

Unterdessen witzelt ein Parteimitglied auf Twitter, er habe von seiner "Kündigung" über die Medien erfahren. Es ist Tobias Eckrich, der damit bekannt wurde, Weisband bei einem Parteitag ihre Tasche getragen zu haben. Nun äußert er Trauer darüber, seine Stelle als "Taschenträger der politischen Geschäftsführerin" verloren zu haben. Weisband schreibt zurück: "Du bist noch drei Monate im Dienst, also reiß dich zusammen und trag mir die verdammte Tasche."

Quelle: n-tv.de

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