Samstag, 18. März 2006
Internationaler Gen-Food-Handel: Kennzeichnung erst ab 2012
Wer glaubte, der internationale Handel mit gentechnisch veränderten Produkten wird in absehbarer Zeit durchschaubarer, muss enttäuscht werden: Für den internationalen Handel gilt erst vom Jahr 2012 an die Kennzeichnungspflicht.
Das beschloss die dritte UN-Konferenz über die Konvention zur Biologischen Sicherheit am späten Freitagabend (Ortszeit) im brasilianischen Curitiba. Das Abkommen wurde von den 132 Mitgliedsländern des Cartagena-Protokolls zum Abschluss des fünftägigen Treffens praktisch in letzter Minute erzielt.
"Kann GVO enthalten"
Bis 2012 solle die Identifizierung der bei exportierten Produkten enthaltenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) "nach den technischen Möglichkeiten jedes Landes" erfolgen, hieß es. Die Auszeichnung könne bis dahin von den Exporteuren durch die Aufschrift "kann GVO enthalten" vorgenommen werden. Erst 2012 werde die Kennzeichnung "enthält GVO" verbindlich.
Ernährungsexperten und Umweltschützer zeigten sich enttäuscht vom Konferenzergebnis. Bei der biologischen Sicherheit seien in Curitiba nur sehr kleine Fortschritte erzielt worden, lautete die Reaktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Von einer "eher moralischen denn realen Verpflichtung der Konferenzstaaten" sprach Mariane Lisboa, vom brasilianischen "Verband für Organische Landwirtschaft".
Maria Rita Reis, von der Nichtregierungsorganisation "Land der Rechte" meinte, das Abkommen zeige, "wie solche Räume internationaler Entscheidungen immer mehr von der Macht bestimmt werden, die multinationale Unternehmen über die Länder ausüben".
Einzig wirtschaftliche Interessen zählen
Auch Greenpeace machte die "Biotechnologie-Multis, das Agrobusiness sowie die Exportländer von transgenen Produkten, wie USA, Kanada und Argentinien", die alle nicht dem Cartagena-Protokoll angehören, verantwortlich. Sie hätten es einmal mehr geschafft, eine internationale Umweltkonferenz der UN zur "Bühne von Verhandlungen mit rein wirtschaftlichen Interessen zu verwandeln".
Brasilien, das immer mehr Gensoja als Tierfuttermittel nach Asien verkauft, war bislang wegen des Drucks der Agrarlobby gegen eine Kennzeichnungspflicht. Das hat sich unter der linksgerichteten Regierung von Präsident Luis Incio da Silva geändert, der die Sojaproduzenten des Landes mit Sonderkrediten beruhigen will.
Als "Bremser" agierten vor allem Mexiko und Paraguay. Umweltschützer verwiesen darauf, dass Mexiko zum Beispiel von den USA jährlich drei Millionen Tonnen gentechnisch veränderten Mais kauft.
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