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Der Anschlag trifft Kranke, Frauen, Kinder. Diese Frau hat überlebt, sie ist verletzt.
Der Anschlag trifft Kranke, Frauen, Kinder. Diese Frau hat überlebt, sie ist verletzt.(Foto: AP)
Samstag, 25. Juni 2011

Attentat auf Krankenhaus in Afghanistan : Kinder und Frauen sterben

Während Präsident Karsai in Teheran an einem Anti-Terrorgipfel teilnimmt, jagt ein Selbstmordattentäter in Afghanistan einen Wagen voller Sprengstoff in die Luft. Direkt an einer Klinik. Wieder sind es vor allem Frauen und Kinder, die sterben. Die Taliban weisen jede Verantwortung von sich.

Bei einem der schwersten Anschläge auf Zivilisten in Afghanistan in diesem Jahr sind im Zentrum des Landes bis zu 35 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder und Frauen. Direkt an einem Krankenhaus im Distrikt Asra jagte ein Selbstmordattentäter seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in die Luft. Der Anschlag löste international Bestürzung aus. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte, dies sei das Werk "barbarischer und ignoranter Feinde Afghanistans".

Der Sprecher des Gouverneurs der Provinz Logar, Din Mohammed Darwisch, sagte: "Nach dem jüngsten Bericht unseres Teams, das am Anschlagsort war, wurden 35 Menschen getötet und 23 weitere verletzt." Die Klinik sei vollständig zerstört worden. Helfer suchten unter den Trümmern nach Verschütteten. In dem am stärksten betroffenen Flügel des Krankenhauses seien vor allem Kinder behandelt worden.

Erst am Freitag waren bei Kundus zehn Menschen getötet und 24 verletzt worden.
Erst am Freitag waren bei Kundus zehn Menschen getötet und 24 verletzt worden.(Foto: AP)

Das Innenministerium verurteilte die Bluttat: "Die Terroristen haben unschuldige afghanische Zivilisten attackiert und leider ist dies einer der schlimmsten Anschläge der vergangenen Wochen." Die NATO-geführte Internationale Schutztruppe ISAF teilte mit, sie werde mit ihren afghanischen Partnern zusammenarbeiten, um die Hintermänner zu finden. Erst am Freitag waren bei einem Anschlag in der nordafghanischen Provinz Kundus zehn Menschen getötet worden.

Die Vereinten Nationen sprachen von einer verabscheuungswürdigen Tat. Auch regierungsfeindliche Elemente, ein Begriff für die radikalislamischen Taliban und andere militante Gruppen in Afghanistan, müssten gemäß internationalem humanitärem Recht Zivilisten schützen. "Das ist ein verabscheuungswürdiger Anschlag gegen Zivilisten, die medizinische Hilfe brauchen oder Angehörige besuchen, und gegen die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten", sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Staffan de Mistura.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte: "Diese ungeheuerliche Tat lässt jeglichen Respekt für Menschlichkeit vermissen. Das Ziel waren unschuldige Menschen: Kranke, Frauen und Kinder."

Der Anschlag ereignete sich südlich von Kabul.
Der Anschlag ereignete sich südlich von Kabul.

Die radikalislamischen Taliban wiesen jede Verantwortung für das Blutbad zurück. "Wir ermitteln gerade, wer hinter dem Anschlag steckt", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Telefon und verwies ohne weitere Erklärung auf ausländische Geheimdienste.

Zivilisten gehören zu den Hauptleidtragenden des inzwischen fast zehnjährigen Krieges in Afghanistan. Allein 2010 wurden dort nach UN-Angaben mehr als 2700 Zivilisten getötet. Im vergangenen Mai starben mehr als 360 Zivilisten - die weitaus meisten durch die Gewalt der Aufständischen, wie die Vereinten Nationen berichteten.

Antiterror-Konferenz von Afghanistan, Pakistan und Iran

Bei einer Konferenz zur Bekämpfung des Terrorismus in Teheran  sagte Staatschef Karsai,  der Terrorismus breite sich  "mehr als je zuvor in Afghanistan und seiner Region" aus und  bedrohe die Existenz der dortigen Länder. Er unterzeichnete mit  seinen Kollegen aus dem Iran und Pakistan eine Vereinbarung, um gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen.

US-Präsident Barack Obama hatte am Mittwoch angekündigt, ab Juli  bis Ende des Jahres 10.000 der derzeit rund 99.000 US-Soldaten vom  Hindukusch abzuziehen. Bis zum Sommer 2012 sollen demnach insgesamt  33.000 Soldaten heimkehren. Die übrigen ausländischen Soldaten  sollen bis zum Jahr 2014 die Sicherheitsverantwortung an die  Afghanen abgeben und abziehen.

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Quelle: n-tv.de

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