Montag, 09. März 2009
Folge der Krise: Kinderarmut wird ansteigen
Der Kinderschutzbund befürchtet wegen der Wirtschaftskrise einen massiven Anstieg der Kinderarmut in Deutschland. Da zudem "in armen Stadtteilen" deutlich mehr Kinder geboren werden als in bürgerlichen und gutsituierten, könnte wegen der demografischen Entwicklung in 20 Jahren jedes zweite Kind in Deutschland mit einem Armutsrisiko aufwachsen.
Kinderschutz- Präsident Heinz Hilgers sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Das ist eine Katastrophe, auf die eigentlich alle Ökonomen aufgebracht reagieren müssten." Er befürchte, dass dem Staat wegen der Wirtschaftskrise "die finanzielle Kraft zu einer grundlegenden Reform des Familienleistungsausgleiches" fehle.
1,8 Mio Kinder sind arm
Derzeit sei vom Armutsrisiko ein Drittel der Kinder betroffen, "über die wir uns große Sorgen machen müssen - also rund 5 von 15 Millionen", sagte Hilgers. In 20 Jahren werde es wegen der demografischen Entwicklung nur noch 10 Millionen Kinder geben, von denen die Hälfte in armen Familien aufwachsen werde. Hilgers bekräftigte die Forderung nach einer Kindergrundsicherung. Dafür müsse der Staat 330 Euro pro Monat für jedes Kind zahlen, wenn alle Bildungsinstitutionen kostenlos seien. Wenn man Gebühren etwa für Universität und Kindertagesstätte nehme, solle der Betrag bei 500 Euro pro Kind liegen.
Laut dem Armutsbericht 2008 der Bundesregierung gelten in Deutschland heute 1,8 Millionen Kinder tatsächlich als arm. Das sind 12 Prozent der Kinder unter 15 Jahren. Nach internationalen Kriterien gilt ein Kind dann als arm, wenn es in einem Haushalt aufwächst, der monatlich weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Familieneinkommens zur Verfügung hat. Betroffen sind vor allem Kinder von Alleinerziehenden - mit steigender Tendenz. Durch Kindergeld und Zuschläge sowie andere Transferleistungen senkt der Staat das Armutsrisiko.
Zahlreiche Untersuchungen haben immer wieder belegt, dass Kinder aus armen Familien deutlich schlechtere Bildungschancen haben als Gleichaltrige aus vermögenden Haushalten. Dies gilt sowohl bei den weiterführenden Schulabschlüssen wie dem Abitur als auch beim Zugang zur Hochschule.
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