Dienstag, 10. Juni 2008
System vor Radikalumbau: Kommt die Einheitskasse?
Mehrere große Versicherungsunternehmen erwägen einen radikalen Umbau der privaten Krankenversicherung hin zu einer Einheitsversicherung. Ein Sprecher des Ergo-Konzerns in Düsseldorf bestätigte, dass eine Arbeitsgruppe beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) über die Zukunft des Systems diskutiert und auch die Einführung einer Einheitsversicherung zur Diskussion stellt. Bislang gebe es aber kein endgültiges Ergebnis.
Ein GDV-Sprecher sagte, es handele sich um ein Arbeitspapier unter vielen. "Wir sind noch nicht so weit gediehen, dass wir über irgendwelche Ergebnisse berichten könnten", sagte er. Anlass sei die demografische Entwicklung. Es gebe aber noch keine abgestimmte Position.
Verpflichtende Grundsicherung
Der Vorschlag der großen Versicherer Allianz, Axa und Ergo sieht nach Angaben der "Financial Times Deutschland" vor, dass die Krankenversicherer künftig Einheitsprämien berechnen sollen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Dies ähnelt dem alten Unions-Konzept zur Einführung einer Gesundheitsprämie. Die Grundsicherung soll für alle verpflichtend sein, was wiederum dem SPD-Modell einer Bürgerversicherung nahekommt.
Sowohl gesetzliche wie auch private Versicherer würden diese Grundsicherung zu denselben Konditionen anbieten. Sämtliche Anbieter müssen danach jeden Versicherten akzeptieren. Für Kinder zahlt der Staat die Beiträge. Daneben würden die Privaten Zusatzversicherungen anbieten, die der Grundtarif nicht abdeckt. Langfristig sieht der Vorschlag dem Blatt zufolge vor, die Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen komplett aufzuheben. Die bisherige private Krankenvollversicherung, die neben den gesetzlichen Kassen besteht, würde damit abgeschafft und das Geschäftsmodell der Unternehmen auf den Kopf gestellt.
"Ende der privaten Krankenversicherung"
In der Branche ist das Modell umstritten. Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) hatte bislang jeden Vorstoß einer Angleichung von privaten und gesetzlichen Kassen kategorisch abgewiesen. PKV-Vorsitzender Reinhold Schulte kritisierte den Bericht als "irreführend" und erklärte: "Keines der Mitgliedsunternehmen des Verbandes der privaten Krankenversicherung dringt ungeachtet notwendiger Reformen im Gesundheitswesen auf einen Radikalumbau des Gesundheitswesens oder will gar die private Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form abschaffen."
"Die Kopfprämie wäre durch die Hintertür die Einführung einer Einheitsversicherung in Deutschland und das Ende der privaten Krankenversicherung", kritisierte Debeka-Vorstandschef Uwe Laue den Vorschlag. Mit Zusatztarifen alleine könne die PKV nicht überleben, sagte er der "Financial Times Deutschland".
Die großen börsennotierten Konzerne wie die Allianz stehen unter permanentem Druck, ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig auszurichten und diskutieren daher verschiedene Modelle. Unternehmen wie Debeka und Signal Iduna sind hingegen sogenannte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit und müssen sich keinen Aktionärsinteressen unterwerfen.
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Zwischenruf
Cold War reloaded
-
Stühlerücken bei der CDU
Altmaier-Nachfolge geklärt
-
Ernte geht in die Hauptstadt
Zig Nordkoreaner verhungert
-
FSA-Anführer sollte entführt werden
Türkei schützt syrischen Rebell
-
Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre
Lobbyist Schreiber wird entlassen
-
Linke steuert auf Sackgasse zu
Lafontaine und Bartsch unversöhnlich
-
Keine Abrechnung mit Merkel
Röttgen will nichts sagen
-
Nikolic siegt überraschend in Serbien
Berlin mahnt Pro-Europa-Kurs an
-
Nach Mordaufruf von Islamisten
Generalbundesanwalt ermittelt
-
Führungsstreit der Linken
Lafontaine erzwingt die Scheineinigkeit
-
Schwerer Anschlag im Jemen
Soldat tötet 90 Kameraden
-
"Himmelschreiender Blödsinn"
Sarrazin erntet Widerspruch