Politik

Uiguren im VisierKontrollwahn nach Anschlag

05.08.2008, 13:20 Uhr

Die chinesischen Behörden versuchen einen Tag nach dem Anschlag auf eine Polizeistation durch verschärfte Kontrollen und die Sperrung des Internetzugangs die Sicherheit wieder herzustellen.

Die chinesischen Behörden haben die Sicherheitsvorkehrungen in der Region Xinjiang nach dem schweren Anschlag auf eine Polizeistation im Nordwesten des Landes dramatisch verschärft. Durch scharfe Kontrollen versuchten die Behörden die Sicherheit wiederherzustellen und durch Informationssperren die Deutungshoheit über die Ereignisse zurückzugewinnen.

Das Verkehrsbüro der Region Xinjiang ordnete auf Veranlassung der chinesischen Regierung umfassende Kontrollen für Lkws, Busse und Transportknotenpunkte an, wie die offizielle Nachrichten-Website der Region berichtete. Außerdem sei die Polizeipräsenz auf den Straßen verstärkt worden. Die erhöhte Sicherheitsstufe gilt demnach auch für die Regionshauptstadt Urumqi, die rund 1000 Kilometer von Kashgar entfernt liegt.

Nach Angaben der Agentur AFP haben die Behörden zudem den Zugang zum Internet in der Region gesperrt, um zu verhindern, dass neben der offiziellen Darstellung Informationen über den Anschlag verbreitet werden.

Uiguren werden verdächtigt

Die Zeitung "China Daily" berichtete, dass nach Ansicht von Experten wahrscheinlich die uigurische Rebellengruppe "Islamische Bewegung Ostturkestan" hinter der Tat stehe. Als falsch erwiesen sich Meldungen, nach denen 18 festgenommene "ausländische Terroristen" mit dem Anschlag in Verbindung stehen. Sie wurden nach Angaben der Behörden alle in diesem Jahr gefasst.

Nach chinesischen Angaben wurden am Montag 16 Polizisten getötet und weitere 16 verletzt. Demnach fuhren zwei Attentäter auf eine Gruppe von 70 Grenzpolizisten zu und warfen zwei Granaten. Die Angreifer, die laut Xinhua der muslimischen Volksgruppe der Uiguren angehören, wurden festgenommen. Uigurische Rebellengruppen kämpfen in Xinjiang für die Gründung eines eigenständigen Staates.

Augenzeugen berichten grausame Details

Die Agentur AFP zitiert eine eigene Quelle, einen polnischen Touristen, der den Anschlag aus seinem Hotelzimmer gegenüber der Polizeistation beobachtet hatte. Demnach haben die Angreifer Polizeiuniformen getragen. Sie hätten die Polizisten erst mit einem Lastwagen überrollt, dann die Granaten gezündet und die Verletzten mit kurzen Schwertern, die wie Macheten aussahen, zerhackt. Die Frau des Zeugen habe sich bei dem Anblick fast übergeben müssen. "Überall auf dem Fußweg lag Blut", erzählte der Tourist.

Ein chinesischer Tourist aus Guangdong, der seinen Namen mit Feng angab, war ebenfalls vom Hotelfenster aus Zeuge des Anschlags. Auch seinen Angaben zufolge trugen die Angreifer Uniformen. Es sei die Kleidung der bewaffneten Volkspolizei gewesen. Die Polizei habe dann ein Reinigungsfahrzeug geholt, das den Fußweg gesäubert habe. Er und die anderen Hotelgäste, die Fenster zur Straße hatten, seien in den hinteren Teil der Herberge verlegt worden.

Nach Angaben von AFP drangen nach dem Anschlag Polizisten in das Hotelzimmer des Agentur-Fotografen ein und zwangen ihn, Fotos vom Anschlagsort zu löschen. Polizisten in Zivilkleidung folgten zudem Journalisten, die sich in der Stadt umsahen.