Freitag, 14. Mai 2010
"Vielen deutlich überlegen": Lafontaine springt Schäuble bei
Lafontaine hat ebenfalls ein Attentat überlebt.
(Foto: picture alliance / dpa)
Der scheidende Parteivorsitzende der Linken und frühere Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine hat seinen erkrankten Amtsnachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) gegen Kritik in Schutz genommen. "Mich empört es, wie derzeit versucht wird, ihn wegen seiner Erkrankung in Frage zu stellen", sagte Lafontaine der "Welt".
"Trotz seiner Behinderung ist er vielen seiner Kritiker deutlich überlegen. Er wird selbst erkennen, wenn seine Gesundheit die Weiterführung des Amtes nicht mehr zulässt", sagte Lafontaine, der von 1998 bis 1999 Finanzminister war. Der Linke-Chef hatte im Januar wegen einer Krebserkrankung erklärt, dass er beim Linke-Parteitag am kommenden Wochenende nicht mehr für das Amt des Parteivorsitzenden kandidieren wird.
Ihm stehen harte Aufgaben bevor: Wolfgang Schäuble.
(Foto: picture alliance / dpa)
Der 67 Jahre alte querschnittsgelähmte Schäuble musste am Sonntag in eine Brüsseler Klinik, nachdem er ein Arzneimittel nicht vertragen hatte. Anschließend kehrte er nach Deutschland zurück. Weil er entgegen den Erwartungen am Dienstag nicht an der Sondersitzung des Kabinetts zum Euro-Rettungspaket teilnahm, war erneut über seinen Rücktritt spekuliert worden.
Am Montag will er nach Angaben seines Sprechers seine Arbeit wieder im vollen Umfang aufnehmen. Schäuble plane, sowohl an den Sitzungen des Bundestages wie auch an den Beratungen der EU-Gremien in Brüssel teilzunehmen, sagte der Sprecher.
Lafontaine und Schäuble verbindet eine Attentatserfahrung. "Der Schäuble-Attentäter hat ausgesagt, dass er aufgrund der Nachricht über den Anschlag auf mich auf die Idee kam, er könne so etwas auch machen", sagte Lafontaine. "Insofern gibt es da einen Zusammenhang. Ich habe Herrn Schäuble im November 1990 im Krankenhaus besucht. Wir hatten ein sehr persönliches Gespräch, an das ich mich immer wieder erinnere."
dpa
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