Archiv

Minsk droht GazpromLiefer-Engpässe möglich

27.12.2006, 14:57 Uhr

Der russische Monopolist Gazprom hat Deutschland und weitere Kunden in Europa angesichts des Gasstreits mit Weißrussland vor Lieferengpässen gewarnt. Gazprom habe entsprechende Briefe an seine Partner in Litauen, Polen und Deutschland geschickt, sagte Unternehmenschef Miller. Zuvor hatte die Regierung in Minsk indirekt damit gedroht, ihre Pipelines für Gaslieferungen nach Deutschland zu sperren.

Der russische Monopolist Gazprom hat Deutschland und weitere Kunden in Europa angesichts des Gasstreits mit Weißrussland vor Lieferengpässen gewarnt. Gazprom habe entsprechende Briefe an seine Partner in Litauen, Polen und Deutschland geschickt, sagte Unternehmenschef Alexej Miller am Mittwoch. Zuvor hatte die Regierung in Minsk indirekt damit gedroht, ihre Pipelines für Gaslieferungen nach Deutschland zu sperren. Der Streit hatte damit kurz vor Auslaufen des Vertrags zwischen Gazprom und Weißrussland neue Nahrung erhalten.

"Wir sind voneinander abhängig. Wenn wir keinen Liefervertrag bekommen, wird Gazprom keinen Durchleitungsvertrag haben", sagte der weißrussische Vize-Ministerpräsident Wladimir Semaschko. "Ich denke, Gazprom sollte ein Signal geben und nach Minsk kommen. Jetzt sind sie an der Reihe", erklärte er nach seiner Rückkehr von den gescheiterten Verhandlungen mit dem weltgrößten Gasproduzenten.

Gazprom hatte ursprünglich vier Mal so hohe Gaspreise wie bisher durchzusetzen versucht. Der Konzern fordert zudem von Weißrussland, teilweise die Kontrolle über seine Pipelines an Gazprom abzugeben. Inzwischen hat der Konzern eigenen Angaben zufolge seine Forderung auf 110 Dollar je 1000 Kubikmeter von den zunächst verlangten 200 Dollar gesenkt. Derzeit zahlt das Land 46,7 Dollar - genauso viel wie Verbraucher in Russland.

Weißrussland habe inzwischen eine "zerstörerische Position" eingenommen, kritisierte Miller. Er forderte die Regierung in Moskau auf, einen Zoll von 200 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas auf Exporte nach Weißrussland zu verhängen.

Noch am Dienstag hatte Gazprom erklärt, in Deutschland und Österreich seien zusätzliche Gasvorräte angelegt worden, um mögliche Lieferengpässe zu überbrücken. "Es gibt keinen Grund zur Sorge bei den europäischen Verbrauchern", sagte ein Gazprom-Sprecher dazu im russischen Fernsehen.

Wingas: Ausreichende Lagerkapazitäten

Die Bundesregierung gab sich daher vor den neuen Äußerungen Millers entspannt. Sie sehe die Versorgung in Deutschland nicht gefährdet. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, es gebe keine Hinweise darauf, dass Russland seinen Lieferverpflichtungen nicht nachkommen werde oder wolle. "Unser Interesse ist, dass bei Streitigkeiten um die Preisgestaltung zwischen diesen beiden Ländern die Versorgung Deutschlands und Westeuropas nicht berührt ist und die Beteiligten ihren Verpflichtungen auch gegenüber den Abnehmern hier in Westeuropa und in Deutschland nachkommen", unterstrich Steg.

Deutschland ist der größte Gazprom-Kunde in Europa und wird vor allem über Leitungen durch Weißrussland und die Ukraine versorgt. Der Gasimporteur Wingas erklärte inzwischen ebenfalls, er sehe den Konflikt ziemlich entspannt. Die Lagerkapazitäten seien ausreichend, daher erschienen Lieferengpässe unwahrscheinlich, erklärte das Gemeinschaftsunternehmen der BASF-Tochter Wintershall und Gazprom.

Beobachter räumten Weißrussland eine gute Verhandlungsposition ein. "Unserer Ansicht nach wird Gazprom sehr flexibel mit seiner Preispolitik sein müssen", sagte Analysten Jelena Sawtschik von Renaissance Capital. Einige Analysten sagten weiter, ein Grund dafür sei die Bedeutung Deutschlands als Handelspartner.