Montag, 15. November 2010
"Ich glaube nicht daran": Lius Bruder fordert Freilassung
Der Bruder des Friedensnobelpreis-Trägers Liu Xiaobo wünscht sich, dass der Schriftsteller zum Empfang des Nobelpreises freigelassen wird. Zuvor hatte Peking die Vergabe des Nobelpreises an den Aktivisten scharf kritisiert.Der Bruder des inhaftierten chinesischen Schriftstellers Liu Xiaobo hat die Regierung in Peking aufgefordert, den Dissidenten den Friedensnobelpreis entgegennehmen zu lassen. "Ich hoffe die Zentralregierung wird ihn freilassen und ihm erlauben, seinen Preis abzuholen, aber ich glaube nicht, dass sie das tun wird", sagte Liu Xiaoxuan der Nachrichtenagentur AFP in seinem ersten Interview, seit sein Bruder Anfang Oktober als diesjähriger Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben worden war. Dem Preiskomitee sprach Liu Xiaoxuan seinen "tiefsten Dank" dafür aus. Dies zeige, dass es "in aller Welt Anerkennung und Unterstützung" für Liu Xiaobos gewaltlosen Kampf für demokratische Reformen im kommunistischen China gebe.
"Viele Angelegenheiten warten auf Lösung"
Die Entscheidung des Nobel-Komitees werde Liu Xiaobo bei der Verbüßung seiner Haftstrafe sicherlich Mut geben, sagte sein Bruder. Auch für seine Angehörigen sei die Auszeichnung ein Trost. Liu Xiaoxuan, der in Guangzhou eine Ingenieursfakultät an der Technischen Universität der südöstlichen Provinz Guangdong leitet, hatte sich nie an den regierungskritischen Aktionen seines Bruders beteiligt.
Im dem Interview übte er jedoch Kritik an der Menschenrechtslage in seinem Heimatland. "In China warten zurzeit viele Demokratie-Angelegenheiten auf eine Lösung", sagte der 53-Jährige. Dies betreffe unter anderem die Meinungsfreiheit und die Freiheit, Zusammenschlüsse zu bilden.
Sein Bruder Liu Xiaobo habe auf diese Missstände hingewiesen und "darauf bestanden zu sagen, was Intellektuelle mit Gewissen sagen sollten", sagte Liu Xiaoxuan. Ihn selbst hätten die chinesischen Behörden aufgefordert, nicht über den Nobelpreis für seinen 54-jährigen Bruder zu sprechen. Liu Xiaoxuan sagte außerdem, er habe einen Besuch bei seinem berühmten Bruder im Gefängnis beantragt. Er glaube aber nicht, dass die Behörden ihm diesen Wunsch vor der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember in Oslo erfüllen würden.
Liu Xiaobo war im Dezember 2009 wegen Untergrabung der Staatsgewalt zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem er die Charta 08, einen Aufruf zu politischen Reformen in China, mitverfasst und verbreitet hatte. Während seine Ehrung mit dem Friedensnobelpreis weltweit begrüßt wurde, reagierte Peking mit scharfer Kritik.
AFP
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