Montag, 20. September 2010
Moskaus Stadtchef gegen den Kreml: Luschkow kämpft aus dem "Exil"
Der Machtkampf um Moskau spitzt sich zu: Der beim Kreml in Ungnade gefallene Bürgermeister Juri Luschkow kämpft nunmehr aus seinem "Exil" in Österreich um sein politisches Überleben. Luschkow, dem Staatsmedien Korruption und Vetternwirtschaft vorwerfen, war nach Angaben der Stadt am Sonntag in "Urlaub" gereist. Aus dem Kreml verlautete aber, dass der seit fast 20 Jahren autoritär regierende Rathaus-Chef nur Bedenkzeit habe, die Art seines Abgangs zu wählen. Luschkow, der an diesem Dienstag 74 Jahre alt wird, gilt als einer der mächtigsten Männer Russlands.
Kommentatoren sehen in der seit Tagen andauernden Kampagne gegen Luschkow die schwerste politische Krise in Russland seit zehn Jahren. Der Bürgermeister hatte einen Rücktritt mehrfach abgelehnt. Er habe sich nichts vorzuwerfen, sagte Luschkow dem Fernsehsender Ren-TV am Samstag. Gründe für einen Abgang könnten nur "fehlende Unterstützung in der Bevölkerung" oder "Misswirtschaft" sein. Zugleich wies der bei vielen Russen beliebte Luschkow Vorwürfe zurück, er wolle einen Keil zwischen Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin treiben, um so die Staatsmacht zu schwächen.
Luschkows Ehefrau Jelena Baturina, die mit einem geschätzten Vermögen von zwei Milliarden Euro als reichste Russin gilt, sieht hinter der Kreml-Kampagne eine Intrige gegen ihren Mann. Das Medwedew-Lager kämpfe dagegen, dass sich der bestens verdrahtete Luschkow bei der Wahl 2012 für eine Rückkehr Putins in den Kreml einsetze, sagte die Unternehmerin dem russischen Magazin "The New Times". Wer Moskau, die politische Machtzentrale des Landes, künftig führen soll, war jedoch auch am Montag weiter unklar.
dpa
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