Dienstag, 29. Dezember 2009
Entführungen von Prominenten?: Madrid warnt vor ETA-Terror
Auch wenn es seit einiger Zeit ruhig in Spanien ist, sieht die spanische Regierung noch lange keinen Grund zur Entwarnung. Dabei erwartet Madrid einen Strategiewechsel - weg vom Bomben, hin zu Entführungen.
Die ETA ist für viele Terroranschläge in Spanien verantwortlich.
Die Sicherheitskräfte gingen davon aus, dass die baskische Untergrundorganisation ETA die Entführung eines Prominenten plane, sagte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba dem baskischen Sender Radio Euskadi. Von einer spektakulären Geiselnahme erhoffe sich die Organisation, von ihrer derzeitigen Schwäche ablenken zu können und wieder mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu bekommen.
Seit der Serie von Bombenanschlägen im August auf der Ferieninsel Mallorca ist die Separatistenorganisation praktisch nicht mehr in Erscheinung getreten. "Die ETA ist von der Polizei und der Justiz in die Enge getrieben, sie ist gesellschaftlich isoliert, sie wird international und vor allem von Frankreich unter Druck gesetzt, und sie ist intern gespalten", betonte der Minister. "Unter diesen Umständen liegt es auf der Hand, dass die ETA unter Beweis stellen will, dass sie noch existiert."
Die spanischen Sicherheitskräfte halten eine Geiselnahme für wahrscheinlicher als einen Bombenanschlag. Bei einem blutigen Attentat müsste die ETA befürchten, dass sich in ihrer Anhängerschaft die Kluft zwischen den Befürwortern und Gegnern terroristischer Gewalt weiter vertieft. "Dagegen wäre eine Entführung eher vereinbar mit der derzeitigen Debatte unter den ETA-Anhängern über den bewaffneten Kampf", sagte Rubalcaba.
Mehr als 800 Tote
Die ETA kämpft für einen unabhängigen Baskenstaat in Nordspanien und Südwestfrankreich. Dabei sind in den vergangenen 40 Jahren mehr als 800 Menschen getötet worden. In diesem Jahr musste die Gruppe zahlreiche Rückschläge einstecken. Viele ihrer Führungskader wurden festgenommen. Die Europäische Union stuft die ETA als terroristische Organisation ein.
dpa/rts
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