Montag, 06. Oktober 2008
Lauterbachs Prognose: Massensterben der Kassen
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet nach der Festlegung auf einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 15,5 Prozent mit einem Massensterben bei den rund 170 Betriebskrankenkassen.
Bisher habe es sich für Unternehmen nur deswegen gelohnt, eine BKK einzurichten, um von niedrigen Lohnnebenkosen profitieren zu können, sagte Lauterbach. Dieser Wettbewerbsvorteil falle mit dem neuen Einheitsbeitrag nun weg. "Die Betriebskrankenkassen werden in den nächsten zwei Jahren mehrheitlich aus dem Markt ausscheiden", sagte der Gesundheitsökonom voraus.
Lauterbach betonte, die Beitragshöhe, auf die sich der Koalitionsausschuss am Sonntagabend im Kanzleramt verständigt hatte, sei in der SPD-Fraktion unumstritten. "Somit ist das das letzte Wort", fügte er hinzu. "Die 15,5 steht."
Hierbei handele es sich um eine realistische Einschätzung. Ob das Geld für die gesetzlichen Krankenkassen ausreichen werde, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht mit völliger Sicherheit voraussagen, räumte der SPD-Politiker ein. So könne etwa nicht vorhergesagt werden, wie sich die Finanzmarktkrise auswirken werde.
Die Koalitionsspitzen hatten sich am Sonntag darauf verständigt, einem Vorschlag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu folgen und den Beitragssatz auf 15,5 Prozent festzulegen. Die Krankenkassen hatten 15,8 Prozent gefordert.
Für rund 92 Prozent der gesetzlich Versicherten wird die Krankenversicherung damit ab 2009 teurer - im Durchschnitt um gut 100 Euro pro Jahr. Derzeit liegt der Durchschnittssatz bei 14,92 Prozent. Vor allem Mitglieder von preisgünstigen Kassen zahlen kräftig drauf. Im Gegenzug will die Koalition den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 3,3 auf 2,8 Prozent senken.
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