Politik

Das letzte TV-DuellMcCain gut, Obama besser

16.10.2008, 07:01 Uhr

"McCain war zwar großartig, stark und entschieden - aber Obama hat sich sehr gut geschlagen, er war präsidial, souverän", meint der konservative Publizist Dick Morris im ebenfalls konservativen Sender Fox News.

Unter dem Druck schlechter Umfragewerte hat der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain bei der dritten und letzten Fernsehdebatte mit seinem Rivalen Barack Obama auf Angriff gesetzt. Mit Blick auf die Wirtschaftskrise warf McCain dem Demokraten vor, die Steuern erhöhen zu wollen und einen "Klassenkampf" zu starten, um den Wohlstand umzuverteilen.

Schärfer als in der ersten und zweiten Debatte distanzierte McCain sich von Amtsinhaber George W. Bush. "Senator Obama, ich bin nicht Präsident Bush", sagte McCain gleich zu Beginn. "Wenn Sie gegen Präsident Bush kandidieren wollen, hätten Sie vor vier Jahren antreten müssen." Obama konterte: "Ich verwechsle Ihre Politik manchmal mit jener von Präsident Bush, weil Sie in Kernpunkten der Wirtschaftspolitik ein glühender Unterstützer von Präsident Bush waren."

Der Ayers-Vorwurf

Ebenfalls eine Premiere war McCains Vorwurf an Obama, Kontakt mit William Ayers gehabt zu haben. McCain ging dabei jedoch anders vor als seine Vizekandidatin Sarah Palin, die Obama direkt vorgeworfen hatte, mit einem Terroristen befreundet zu sein. McCain sagte, ihm sei der "abgehalfterte Terrorist" völlig egal, doch Obama müsse seine Beziehung zu dem Mann offenlegen.

Obama schlug mit harten Worten zurück: "Bill Ayers ist Professor für Pädagogik in Chicago. Vor vierzig Jahren, als ich acht Jahre alt war, war er in verachtenswerte Aktionen einer radikalen Gruppe verwickelt." Obama verurteilte diese Aktionen. Ayers habe mit seiner Wahlkampagne nichts zu tun, beteuerte er. Der Demokrat warf McCain vor, von den eigentlichen Sachthemen abzulenken: "Die Tatsache, dass dies in ihrem Wahlkampf so eine wichtige Rolle einnimmt, sagt mehr über Ihren Wahlkampf als über mich."

Negativer Wahlkampf

Ayers war in den 60er Jahren Mitbegründer der militanten Organisation "Weather Underground", die vom FBI als "inländische Terrororganisation" eingestuft wurde und aus Protest gegen den Vietnamkrieg Anschläge verübte, bei denen mehrere Polizisten ums Leben kamen. Ayers, der nie rechtskräftig verurteilt wurde, ist heute Pädagogik-Professor in Chicago, Obamas Wohnort. Eine engere Beziehung zwischen den beiden bestand offenbar nie.

Beide Kandidaten räumten ein, dass es einen harten Wahlkampf gebe. McCain warf Obama vor, er nutze seine großen Wahlkampfspenden immer stärker für "negative" TV-Wahlkampfspots. Dagegen meinte Obama: "Ihre Wahlspots sind zu 100 Prozent negativ."

Streit um Joe Wurzelbacher

Mehrfach bemühten die beiden Kontrahenten einen Klempner namens Joe Wurzelbacher aus Ohio. Obama hatte dem Mann im Wahlkampf vor laufenden Kameras seine Steuerpläne mit dem Hinweis erklärt, er wolle zum Nutzen aller "den Wohlstand besser verteilen".

McCain meinte, der Klempner Joe stehe für Millionen Amerikaner, die als Handwerker oder Kleinunternehmer von Obamas Plänen für eine Kranken-Pflichtversicherung und neuen Steuern getroffen würden - und deswegen den "amerikanischen Traum" nicht verwirklichen könnten. Es war eines der wenigen Momente des Duells, in denen McCain punkten konnte.

McCain für mehr Atomkraftwerke

Auf die Frage, wie die USA angesichts der Wirtschaftskrise unabhängiger von Ölimporten aus dem Ausland werden könnten, sagte Obama, die Autoindustrie müsse effektivere Autos bauen, die weniger Benzin verbrauchen. Werde in solche Autos, aber auch Wind- und Sonnenkraft investiert, könnten rund fünf Millionen neue Jobs geschafft werden. Auch McCain sprach sich für den verstärkten Einsatz von Wind- und Sonnenenergie, aber auch für den Bau neuer Atomkraftwerke aus. "In zehn Jahren können wir unsere Abhängigkeit reduzieren, damit wir nicht länger Öl aus dem Nahen Osten oder Venezuela importieren müssen", sagte McCain.

Klarer Sieg für Obama

Ingesamt trat McCain in der TV-Debatte angriffslustiger auf als in den vorangegangenen beiden Begegnungen. Die ersten Blitzumfragen von US-Sendern sahen allerdings wie in den vorangegangenen TV-Duellen Obama als Sieger. Bei CNN sagten 58 Prozent der Befragten, Obama habe sich besser geschlagen, nur 31 Prozent sagten dies über McCain. Die Umfrage des Senders CBS sah Obama sogar mit 53 zu 22 Prozent als Gewinner.

McCain scheint diese Ansicht zu teilen: Nach der Debatte schüttelte er Obama die Hand und sagte: "Good job, good job", also etwa "gut gemacht". "McCain war zwar großartig, stark und entschieden - aber Obama hat sich sehr gut geschlagen, er war präsidial, souverän", meinte auch der konservative Publizist Dick Morris im konservativen Sender Fox News.

Die Zeit läuft McCain davon

McCains Umfragewerte sind im Sinkflug, seit die Wirtschaftskrise den Wahlkampf dominiert. Nach einer am Dienstag von der "New York Times" und CBS News veröffentlichten Umfrage lag Obama mit 53 Prozent Zustimmung mittlerweile 14 Punkte vor McCain. Einer Befragung der "Los Angeles Times" und Bloomberg zufolge führt der Kandidat der Demokratischen Partei mit 50 Prozent vor dem Republikaner mit 41 Prozent.

Eine Umfrage von Reuters, C-Span und Zogby, die bereits nach dem TV-Duell durchgeführt wurde, sieht Obama mit 49 Prozent vor McCain mit 44 Prozent. Im Vergleich zur Reuters-Umfrage vom Vortag konnte Obama seinen Vorsprung noch um einen Punkt ausbauen. Gewählt wird am 4. November.