Mittwoch, 02. September 2009
Brown dementiert geheimen Deal: Megrahi auf Intensivstation
Knapp zwei Wochen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Schottland liegt der Lockerbie-Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi im Krankenhaus auf der Intensivstation. Der schwer krebskranke Megrahi werde seit drei Tagen im Krankenhaus von Tripolis behandelt, teilte ein libyscher Behördenvertreter mit. Ein Angehöriger beschrieb Megrahis Zustand als kritisch, er werde mit Chemotherapie behandelt. Nach seinen Angaben durfte die Familie den Kranken nicht besuchen.
Unteressen muss sich der britische Premierminister Gordon Brown gegen Vorwürfe wehren, es sei bei der Freilassung Megrahis zu geheimen Absprachen mit Libyen gekommen. Es habe "kein Komplott, keine Vertuschung, keine Doppelzüngigkeit und keine Abmachung über Öl" gegeben, sagte Brown in Birmingham. Auch habe Großbritannien keinen Druck auf schottische Minister ausgeübt. Bei einem Treffen mit Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi im Juli habe er keine Zusagen bezüglich einer Freilassung Megrahis gemacht.
US-Regierung übt Kritik
Brown widersprach damit Spekulationen, Megrahi sei auch freigekommen, um einen milliardenschweren Öl- und Gashandel mit Libyen zu erleichtern. Großbritanniens Außenminister David Miliband sagte dem Nachrichtensender BBC, die britische Regierung habe "nicht gewollt", dass Megrahi "im Gefängnis stirbt". Auch er bekräftigte, auf die schottische Regierung sei keinerlei Druck ausgeübt worden. Die Opposition in London warf Brown Doppelzüngigkeit vor, weil er den USA offenbar gesagt habe, Megrahi solle in schottischer Haft sterben, den Libyern aber dessen Freilassung in Aussicht gestellt habe.
Auch ein früherer Beamter der US-Regierung kritisierte die britische Haltung. Großbritanniens Umgang mit Megrahis Freilassung werde die Beziehungen zu den USA "in den folgenden Jahren schädigen", sagte David Rivkin dem Sender BBC. Rivkin arbeitete in den Regierungen unter Ronald Reagan und George Bush.
Die schottische Justiz hatte den schwer krebskranken Megrahi am 20. August aus humanitären Gründen begnadigt und freigelassen und damit eine lebhafte Debatte ausgelöst. Bei dem 1988 verübten Anschlag auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie waren 270 Menschen getötet worden.
Heute debattierte das schottische Parlament über die Entscheidung von Justizminister Kenny MacAskill, Megrahi freizulassen. Dabei wiesen die Abgeordneten einen von der regierenden Schottischen Nationalpartei (SNP) eingebrachten Antrag zur Unterstützung der Entscheidung mit 73 zu 50 Stimmen zurück.
AFP
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