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Zuletzt waren die Jobcenter in der RTL- Sendung "Team-Wallraff" in den Schlagzeilen.
Zuletzt waren die Jobcenter in der RTL- Sendung "Team-Wallraff" in den Schlagzeilen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wachsender Druck im Jobcenter: Mitarbeiter fühlen sich "verheizt"

Die Mitarbeiter von Jobcentern beklagen sich in einem Brief an die Bundesagentur-Spitze über prekäre Arbeitsbedingungen: Ihnen würde immer mehr Aufgaben und Arbeitsanweisungen aufgeladen. Ausbaden müssen es die Kunden.

Jobcenter-Personalräte haben angesichts des wachsenden Drucks mehr Personal und "grundlegende Veränderungen" gefordert. In einem Schreiben an den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA) heißt es, das eingesetzte Personal reiche nicht aus, um die Aufgaben zu bewältigen. "Vor allem im Leistungsbereich wird das Personal regelrecht verheizt", heißt es im Schreiben des geschäftsführenden Vorstands der Jobcenter-Personalräte.

Unterzeichnet ist das Schreiben von der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Barbara Oer-Esser. Die Personalräte beklagen darin zudem, dass dem vorhandenen Personal immer mehr Aufgaben und Arbeitsanweisungen aufgeladen würden, unter anderem durch die Umstellung auf ein neues Computersystem, ein neuartiges Vier-Augen-Prinzip und durch die elektronische Akte. "In der Folge wird die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates faktisch infrage gestellt. Es gelingt immer seltener, allen Leistungsberechtigten die ihnen zustehenden Mittel rechtzeitig und verlässlich zur Verfügung zu stellen", betont Oer-Esser in dem Brief.

Die Jobcenter-Personalräte reagierten mit dem Brief unter anderem auf die RTL-Sendung "Team-Wallraff". Der Enthüllungsjournalist hatte darin unter anderem über überforderte Jobcenter-Mitarbeiter berichtet, die Langzeitarbeitslose allenfalls verwalten, aber nicht mehr ordentlich betreuen und vermitteln könnten. Mit den Vorwürfen beschäftigte sich am Mittwoch auch der Bundestags-Sozialausschuss.

Auch Bund und Kommunen gefragt

Nach Ansicht der Jobcenter-Personalräte reicht das Personal vor allem für individuelle Beratungsgespräche nicht aus. "Eine solche Beratungsleistung erfordere Zeit, um auf die individuellen Problemlagen angemessen eingehen und ein Vertrauensverhältnis aufbauen zu können. Zum einen seien inzwischen die Erwartungen der Arbeitgeber "jenseits dessen, was die von uns Beratenen auf absehbare Zeit zu erfüllen vermögen". Zum anderen ließen soziale Probleme die Vermittlung vieler Hartz-IV-Betroffenen auf einen regulären Arbeitsplatz allenfalls "als Fernziel" erscheinen.

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt kündigte ein Gespräch mit den Personalräten an. "Es gilt jetzt, innerhalb der Organisation die Reaktionen aufzunehmen, zu bewerten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen", sagte der BA-Manager. Hier seien allerdings auch der Bund und die Kommunen gefragt. Der Bund ist für die ausreichende Finanzausstattung der Jobcenter verantwortlich, die Kommunen betreiben die Jobcenter zusammen mit der Bundesagentur. Wie es BA-intern hieß, sieht sich die Bundesagentur daher auch für die Klagen nur bedingt als der richtige Ansprechpartner.

Quelle: n-tv.de

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