Weltrekord im Kaukasus: Die mit 5,7 Kilometern längste Seilbahn der Welt soll in Armenien den Tourismus ankurbeln. (Bild: dpa)
Donnerstag, 27. Januar 2011
Die Reize des Nordkaukasus : Moskau wirbt für Tourismus
Kein Zweifel, der Nordkaukasus hat sehr romantische Seiten. Nun wirbt auch Präsident Medwedew massiv für Tourismus in der Region. Einziger Haken an der Sache: Die Gebirgsgegend scheint zumindest bei Terroristen schon recht beliebt zu sein.Gerade noch erklärten russische Ermittler, dass hinter dem tödlichen Anschlag auf dem Moskauer Flughafen womöglich Rebellen aus dem Nordkaukasus stecken. Jetzt wirbt Russland auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bei internationalen Unternehmen für Investitionen in der Unruheregion, um riesige Skigebiete in der spektakulären Gebirgsregion an der Grenze zu Georgien zu errichten. Der Tourismus soll dem Terrorismus im Nordkaukasus das Wasser abgraben, lautet Moskaus Plan. Doch dem "Wisota 5642" ("Höhe 5642") getauften Projekt, das 15 Milliarden Dollar kosten soll, fehlt es noch an Geldgebern.
"Wisota 5642 wird den Kaukasus verändern", sagte Russlands Präsident Dmitri Medwedew vor seiner Abreise nach Davos. Vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Moskauer Flughafen mit 35 Toten am Montag dürfte bei manchen Konzernchefs in Davos allerdings die Skepsis überwogen haben, ob es tatsächlich eine gute Idee ist, ausgerechnet im Nordkaukasus in den Skitourismus zu investieren. Schließlich ist das Gebiet zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer als notorische Unruheregion bekannt, in der Angriffe islamistischer und separatistischer Gruppen auf Polizei und Behörden an der Tagesordnung sind.
Der Mitentwickler des Projekts, Ahmed Bilalow, räumt ein, dass der Moskauer Anschlag eine "schreckliche Erinnerung" an die Militanz der Region war. Die Entwickler dächten aber keinen Moment daran, sich von dem Projekt zurückzuziehen. Die russische Regierung hofft, dass das Projekt, das langfristig 160.000 Arbeitsplätze schaffen soll, hilft, die Armut in der Region zu bekämpfen, und damit dem Terrorismus den Boden entzieht, "Es wird zeigen, wie wir Armut und Terror mit Tourismus besiegen können", sagte Medwedew.
Im russischen Nordkaukasus werden immer wieder Anschläge verübt. In den Teilrepubliken Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien kämpfen seit Jahren radikalislamische Rebellen für die Unabhängigkeit von Moskau. Erst gerade waren bei einem Bombenanschlag Dagestan laut einem Agenturbericht vier Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Vor einem Café in Chassawjurt sei eine Autobombe explodiert, berichtete am Mittwoch die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf vorläufige Zahlen der Sicherheitskräfte.
Nur wenige Russen fahren Ski
Russlands Premierminister Wladimir Putin (rechts) und Präsident Dmitri Medwedew fahren immerhin schon Ski in Krasnaja Poljana in der Nähe von Sotschi.
(Foto: REUTERS)
Doch auch die Begeisterung fürs Skifahren muss die Regierung in Russland bei ihren Bürgern erst noch wecken. Der russische Geldadel kommt zwar schon heute zahlreich in Skigebiete wie Sankt Moritz oder Davos, aber insgesamt fahren bisher nur zwei Prozent der Russen Ski. Moskau hofft nun auf einen Schub bei Skibegeisterten durch die Olympischen Winterspiele, die 2014 in der Schwarzmeerstadt Sotschi stattfinden. Die Planer von Wisota 5642 hoffen, dass nach Fertigstellung der insgesamt fünf Skigebiete mit 90.000 Betten im Jahr 2020 täglich 150.000 Besucher kommen werden. Schon jetzt werben sie mit der wilden Natur und billigen Skipässen.
Abgesehen von der Frage der Sicherheit dürfte potenzielle Investoren aber auch Russlands Ruf abschrecken, notorisch korrupt zu sein. Der Vizechef von Wisota 5642, Juri Karpenko, versicherte auf Fragen, dass das Projekt, in das Russland bereits zwei Milliarden Dollar investiert hat, nach internationalen Standards geprüft werde. Zugleich wies er den Vorwurf zurück, dass die Baumaßnahmen die Natur zerstörten, und erklärte, mit regionalen Umweltgruppen zusammenzuarbeiten. Andrej Rudomacha, der Koordinator einer dieser Gruppen in der autonomen Republik Adygeja, sagte jedoch, es gebe keine Kooperation. Er und andere Umweltschützer befürchten, dass dem spektakulären Skiprojekt auch Landschaften zum Opfer fallen, die von der UNESCO zum Welterbe gezählt werden.
AFP
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