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Zschäpe wahrscheinlich 2009.
Zschäpe wahrscheinlich 2009.(Foto: BKA Fahndungsbild)

Zschäpes Prozess beginnt im April: Mutter fürchtet Vorverurteilung

Von Solveig Bach

Am 17. April beginnt der Mordprozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe. Überraschend meldet sich nun Zschäpes Mutter zu Wort. Sie fürchtet, dass über ihre Tochter nicht objektiv geurteilt wird und erhebt Vorwürfe gegen die Medien.

Beate Zschäpes Mutter hat die Befürchtung geäußert, der Prozess gegen ihre Tochter sei bereits entschieden. Dem Focus sagte Annerose Zschäpe: "Meine Tochter ist in den Augen ganz vieler Menschen schon jetzt vorverurteilt. Ich bin der Meinung, dass sich gar nicht darum bemüht wird, objektiv zu ermitteln." Die Situation für ihre Familie sei "sehr schwierig".

Dafür machte Zschäpe auch die Medien mitverantwortlich. "Teile meiner Aussage, die ich bei der Polizei gemacht habe, wurden in der Presse falsch dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen", so die 60-Jährige. Sie hätte vieles klarzustellen, wolle sich aber vor dem Mordprozess gegen ihre Tochter, der am 17. April in München beginnen soll, nicht weiter äußern.

Beate Zschäpes Beziehung zu ihrer Mutter galt bislang als schlecht. Die Mutter war während ihres Studiums in Rumänien von einem einheimischen Studienkollegen ungewollt schwanger geworden. Die Mutter bemerkte die Schwangerschaft erst, als im Weihnachtsurlaub im thüringischen Jena die Wehen einsetzen. Der Vater erkannte die Vaterschaft bis zu seinem Tod im Jahr 2000 nicht an. Zschäpes Mutter überließ die Tochter dann der Oma, um ihr Zahnmedizin-Studium in Bukarest fortzusetzen. Zschäpe nannte sich selbst ein "Oma-Kind".

Komplizen töteten sich selbst

Zschäpe ist die einzige Überlebende des Terror-Trios. Ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich selbst. Wegen Mittäterschaft an den zehn Morden der rechtsextremistischen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund muss sich Beate Zschäpe demnächst vor dem Oberlandesgericht (OLG) München verantworten. Die 38-Jährige soll laut Anklageschrift nicht nur Mitbegründerin und gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr auch Mittäterschaft bei sämtlichen Taten des NSU vor: bei den neun Morden an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Herkunft, dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 und bei zwei Bombenanschlägen in Köln, bei denen mehr als 20 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Auch bei 15 Banküberfällen, die der Gruppe zugerechnet werden, sei sie Mittäterin gewesen. Darüber hinaus lautet die Anklage auf Mordversuch - wegen der Brandstiftung in der letzten Wohnung des Trios in Zwickau.

Das Gericht hatte die Anklage der Bundesanwaltschaft in der vergangenen Woche uneingeschränkt zugelassen. Sollten sich die Vorwürfe im Verfahren bestätigten, wird Zschäpe für viele Jahre hinter Gitter wandern. Ihr drohen dann als Höchststrafe lebenslänglich und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld - auch eine anschließende Sicherungsverwahrung wäre nicht ausgeschlossen.

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Quelle: n-tv.de

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