Abdulmutallabs erster Auftritt vor GerichtNigerianer plädiert auf nicht schuldig
Der verhinderte Flugzeugattentäter Umar Farouk Abdulmutallab schweigt bei seinem ersten Auftritt vor Gericht. Der 23-Jährige wird in sechs Punkten angeklagt, darunter wegen versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe und versuchten Mordes.
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ist der verhinderte Flugzeugattentäter Umar Farouk Abdulmutallab erstmals vor einem Gericht in Detroit im US-Bundesstaat Michigan erschienen. Der Richter verlas die Anklage gegen den jungen Nigerianer, der nach Augenzeugenberichten sichtlich niedergeschlagen wirkte. Eine Grand Jury (Anklagekammer) hatte den 23-Jährigen zuvor in sechs Punkten angeklagt, darunter wegen versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe und versuchten Mordes. Abdulmutallab schwieg bei seinem Kurzauftritt. Er bekennt sich damit nicht schuldig, wie der zuständige Richter Mark Randon befand.
Der gesamte Gerichtstermin dauerte weniger als fünf Minuten. Zeugen berichteten anschließend, Abdulmutallab habe die Anklage mit hängenden Schultern vernommen. Auf die Frage des Richters, ob er unter Medikamenten stehe, habe er geantwortet, dass er Schmerzmittel nehme, der Anklage aber folgen könne. Vor dem Gerichtsgebäude hatte sich eine Gruppe von Muslimen mit Spruchbändern und US-Flaggen versammelt, um sich ausdrücklich von Terroraktionen zu distanzieren.
Kurzes Hauptverfahren erwartet
Abdulmutallab droht im Fall eines Schuldspruchs lebenslange Haft. Bis zur Prozesseröffnung könnte es aber noch Monate dauern. In den meisten größeren Justizfällen folgt auf die Anklageverlesung noch eine Reihe von gerichtlichen Anhörungen, bevor schließlich das Hauptverfahren beginnt. Dieses dürfte nach Experteneinschätzung relativ kurz werden, weil die Beweislage klar sei: Abdulmutallab sei schließlich auf frischer Tat ertappt worden.
Der Angeklagte hatte am ersten Weihnachtstag versucht, in einer aus Amsterdam kommenden Delta/Northwest-Maschine kurz vor der Landung in Detroit einen Sprengsatz zu zünden und dabei selbst Verbrennungen erlitten. Den Sprengstoff hatte er in seiner Unterwäsche an Bord geschmuggelt. Er war von Mitreisenden überwältigt worden.
Am Donnerstag (Ortszeit) hatte US-Präsident Barack Obama die Verantwortung für die geheimdienstlichen Pannen im Vorfeld des Attentatsversuchs übernommen. Er machte zugleich klar, dass es keine personellen Konsequenzen geben werde. Nach ersten Untersuchungsergebnissen seien die Fehler und Versäumnisse nicht die Schuld einzelner Personen oder Einrichtungen, sondern ein Versagen des gesamten Sicherheitssystems. "Und wenn das System versagt, liegt das in meiner Verantwortung", sagte Obama.