Berichte über MassakerNkundas Kämpfer vor Goma
Nach Medienberichten sollen die Rebellen im Ostkongo angeblich ein Massaker begangen haben. Präsident Kabila wirft der UN deshalb Versagen beim Schutz der Menschen vor.
Überschattet von neuen Kämpfen und Berichten über ein Massaker an Zivilisten im umkämpften Ost-Kongo hat in Nairobi ein Kongo-Krisengipfel begonnen. An dem eintägigen Treffen nahm auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Doch die Aussichten auf eine politische Lösung galten als gering. Der Kongo warf den UN-Friedenstruppen der Monuc-Mission unterdessen vor, nicht genug für den Schutz der Bevölkerung zu tun. "Die Menschen werden abgeschlachtet, und die (Blauhelme) haben nichts getan", sagte ein Regierungssprecher. Im Osten des afrikanischen Landes kämpfen Rebellen seit August gegen Regierungstruppen.
Truppen des kongolesischen Rebellengenerals Laurent Nkunda sollen in der Stadt Kiwanja im Ostkongo ein Massaker an bis zu 60 jungen Männern verübt haben. Der britische Sender BBC berichtete, die Rebellen hätten die Stadt zurückerobert, die die Mai-Mai-Milizen erst am Vortag unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hätten Dutzende Leichen von jungen Männern gefunden, die als mutmaßliche Mai-Mai-Kämpfer getötet worden seien.
Neue Kämpfe
Nördlich der Provinzhauptstadt Goma kam es zu neuen Gefechten zwischen Regierungstruppen und Nkundas Kämpfern, die unmittelbar vor Goma stehen. Durch die Kämpfe wurde eine neue Fluchtwelle aus den Flüchtlingslagern ausgelöst.
Zum Kongo-Krisengipfel in Nairobi waren auch der tansanische Präsident und amtierende Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Jakaya Kikwete, Kongos Präsident Joseph Kabila und der ruandische Präsident Paul Kagame gekommen.
Die Regierung in Kinshasa wirft Ruanda vor, Rebellengeneral Nkunda zu unterstützen, der mit seinen Truppen seit mehr als einer Woche vor Goma steht. Nkunda kämpfte 1994 während des Völkermords in Ruanda in der von Kagame geführten Ruandischen Patriotischen Front, die mit dem Sturz des Hutu-Regimes den Massenmord an der Tutsi-Minderheit und gemäßigten Hutu beendete. Nkunda wurde nicht zur Teilnahme eingeladen. "Das wäre ein falsches Signal", sagte der kenianische Außenminister Moses Wetangula.
Kinder werden Soldaten
Die Kinderschutzorganisation Save the Children berichtete über einen massiven Anstieg der Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten. Besonders besorgniserregend sei, dass in mindestens zwei Fällen gezielt Schulen überfallen worden seien, um eine möglichst große Zahl von Kindern in die Gewalt von bewaffneten Gruppen zu bringen, sagte eine Sprecherin der Organisation.
UN-Sprecher in Genf bestätigten diese Berichte. Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren seien gewaltsam von ihren Eltern getrennt, verschleppt und als Soldaten eingesetzt worden, sagte Vronique Tavau von UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Kinder unter zehn Jahren würden als Arbeiter herangezogen, während Mädchen als Sexsklavinnen missbraucht würden.