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Geographisch ist Nordirland ein Teil von Irland, politisch gehört es zu Großbritannien, genauer: zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland.
Der Doppelname weist auf die Sonderrolle Nordirlands im Königreich hin.
Zwar hatte sich der englische König Heinrich II. schon 1169 zum König von Irland erklärt, doch dauerte es noch ein paar Jahrhunderte, bis die Engländer ihre Herrschaft auf der widerspenstigen Insel durchsetzten.
Heinrich VIII. (der mit den vielen Frauen) unterstellte Irland 1541 direkt der britischen Krone. Nach der Lösung der anglikanischen Kirche von Rom blieben die Iren (darunter auch die Anglo-Normannen, die früher auf die Insel gekommen waren) katholisch.
Seit Heinrich ist die irische Geschichte eine Folge von brutaler Unterdrückung und gescheiterten Aufständen. Nach einer weiteren Rebellion (unter Wolfe Tone) wurde Irland 1801 formell dem Königreich Großbritannien angeschlossen, ...
... das sich nun Königreich von Großbritannien und Irland nannte. Bis zu einem "freien Irland" sollte es noch mehr als 100 Jahre dauern.
Im 19. Jahrhundert hält der Wechsel von Aufständen und Unterdrückung an. Zwischen 1846 und 1851 kommt es zu einer großen Hungersnot, bei der bis zu eine Million Menschen sterben. Mehr als 1,5 Millionen Iren verlassen ihre Heimat.
Ausgelöst wird die Hungersnot durch Missernten infolge der Kartoffelfäule.
An der hohen Opferzahl trägt die Politik der Regierung in London jedoch eine schwere Mitschuld: Hilfe für die Menschen wird von den liberalen Laissez-Faire-Politikern als unzulässiger Eingriff in den "Markt" gesehen.
Zu Ostern 1916 organisieren ein paar Republikaner unter Patrick Pearse und James Conolly den Aufstand. Am Ostermontag zur Mittagszeit verliest Pearse vor dem Hauptpostamt in Dublin die "Osterproklamation", ...
... in der Irland zu einer unabhängigen Republik erklärt wird. Insgesamt 1.200 Aufständische besetzen ein paar Gebäude, das Postamt machen sie zu ihrem Hauptquartier. Die Briten schlagen den Aufstand ohne Rücksicht auf Verluste nieder.
Nach fünf Tagen ist alles vorbei. Rund 1.500 Menschen, darunter 500 britische Soldaten, sind tot. Tausende werden verhaftet (Bild). Die Anführer des Aufstands werden vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen.
Militärisch war der Aufstand ein Desaster, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Politisch ist er ein Erfolg. Die Briten haben ihrer Herrschaft in Irland endgültig die Legitimation entzogen. 47 Jahre später ehrt US-Präsident John F. Kennedy die Hingerichteten.
Bei den Wahlen zum britischen Unterhaus Ende 1918 erhalten die Republikaner 73 der 106 irischen Sitze. Die Abgeordneten der Partei Sinn Féin ("Wir selbst") erklären sich in Dublin zum ersten irischen Parlament, dem Dáil Eireann. So heißt Irlands Parlament noch heute.
Der Dáil wählt Eamon de Valera zum Präsidenten der Republik Irland. Die Briten erkennen Parlament und Präsidenten nicht an; es kommt zum Krieg.
Der Anglo-Irische Krieg (1919 - 1921) endet mit dem Anglo-Irischen Vertrag: Der Irish Free State erhält innerhalb des britischen Empire die Unabhängigkeit, ...
... muss aber auf sechs Grafschaften im Norden verzichten: Die mehrheitlich protestantischen Countys Antrim, Armagh, Down, Fermanagh, Derry und Tyrone bleiben bei der britischen Krone.
Im Freistaat kämpfen Anhänger (Bild) und Gegner des Vertrages noch bis 1923 in einem Bürgerkrieg um die Frage, ob die "kleinirische" Lösung zu akzeptieren sei. Diesen Krieg, bei dem mehr Menschen sterben als im Krieg gegen die Briten, ...
... gewinnen die Anhänger des Free State. Nordirland bleibt derweil Teil des Vereinigten Königreichs, das jetzt ein "Nord-" einfügen muss: Königreich von Großbritannien und Nordirland.
Obwohl die Katholiken von der protestantischen Mehrheit in mehrfacher Hinsicht diskriminiert werden, bleibt es in Nordirland bis in die 1960er Jahre weitgehend ruhig. Bereits das Wahlrecht stellt sicher, dass Katholiken nicht viel zu sagen haben.
Seit 1967 setzt sich eine Bürgerrechtsbewegung für die Gleichberechtigung der Katholiken ein.
1969 formiert sich die "Provisional IRA", die gemeinhin nur IRA genannt wird. Sie versteht sich als Nachfolgerin der irischen Widerstandskämpfer des Anglo-Irischen Krieges: ...
"Irisch-Republikanische Armee" hatten sich auch die Truppen genannt, die zwischen 1919 und 1921 gegen die Engländer gekämpft hatten.
Der "Bloody Sunday" vom 30. Januar 1972 trägt dazu bei, ...
... dass die IRA Zulauf und Unterstützung in der katholischen Bevölkerung erhält. An diesem Tag werden bei einer Demonstration in Derry (Londonderry) 14 Menschen von britischen Soldaten erschossen.
Der republikanische (katholische) Terrorismus wird nicht nur vom britischen Staat, sondern auch von loyalistischen (protestantischen) Terrorgruppen bekämpft.
Die "Troubles", wie der Nordirland-Konflikt in Irland genannt wird, kosten rund 4.000 Menschen das Leben.
1993 beginnt ein Friedensprozess, der das zentrale Problem - Irland oder Großbritannien? - ausklammert. Die Ziele lauten Selbstverwaltung und Entwaffnung.
Der erste große Erfolg ist das Karfreitagsabkommen von 1998, auf dem der Friedensprozess in Nordirland seither basiert. Im selben Jahr erhalten der Katholik John Hume (l.) und der Protestant David Trimble den Friedensnobelpreis.
Dennoch kommt es immer wieder zu Anschlägen. Im August 1998 zündet die Splittergruppe "Real IRA", die das Abkommen ablehnt, in der Stadt Omagh eine Autobombe. 29 Menschen sterben.
Die nordirische Selbstverwaltung beruht auf der Zusammenarbeit aller Parteien: Regierungen ohne Beteiligung der "anderen Seite" sind ausgeschlossen. Die stärkste Partei stellt den Regierungschef, den "Ersten Minister". Bis 2002 ist das UUP-Chef David Trimble.
Da die Wähler beider Seiten bald die radikalen Parteien stärken - bei den "Nationalisten" Sinn Fin von Gerry Adams, bei den Unionisten die extremistische DUP von Ian Paisley -, scheitert die Selbstverwaltung immer wieder.
Dennoch ist der Friedensprozess erfolgreich; die Zeit des Terrors ist vorbei. 2005 erklärt die IRA den bewaffneten Kampf für beendet, zwei Jahre später legt sie die Waffen offiziell nieder.
Wenige Monate später schwört auch die loyalistische Ulster Volunteer Force (UVF), eine der zahlreichen protestantischen Terrorgruppen, der Gewalt ab. Ihre Waffen abgeben will die UVF allerdings nicht.
2007 geschieht gar das Undenkbare: Sinn Fin und der einstige Hass-Prediger Paisley setzen sich an einen Tisch, DUP und Sinn Fin bilden die Regierung, Paisley wird Erster Minister, sein Vize wird Martin McGuinness, in den siebziger Jahren ein IRA-Kommandant.
Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 kommen auch wieder mehr Touristen ins Land.
Besucher aus Deutschland werden sich vor allem in Belfast zwar mitunter ein wenig an die Berliner Mauer erinnert fühlen, ...
... doch sorgen die "Peace Lines" immerhin dafür, dass sich katholische und protestantische Nachbarn nicht ständig mit Molotow-Cocktails bewerfen.
Trotz ihrer "Ghettos", ...
... die es natürlich auf beiden Seiten gibt, ...
... sind die großen Städte wie Belfast und Derry (für viele Protestanten noch immer: Londonderry) durchaus sehenswert.
Wie die Republik Irland besticht auch der Norden durch Pubs ...
... und eine faszinierende Landschaft, ...
... die heute auch nicht mehr von Wachtürmen verschandelt wird.
Der Giant's Causeway an der Nordküste von Antrim, ...
... die Glens of Antrim ...
... oder Downpatrick sind auf jeden Fall einen Besuch wert.
Also, auf geht's! (Text: Hubertus Volmer)
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