"Das ist keine amerikanische Schlacht"Obama nimmt NATO in die Pflicht
US-Präsident Obama und der neue NATO-Generalsekretär Rasmussen sind sich einig:Der Einsatz in Afghanistan bleibt eine gemeinsame Anstrengung.
US-Präsident Barack Obama nimmt die NATO in Afghanistan in die Pflicht. "Das ist keine amerikanische Schlacht, sondern auch ein NATO-Einsatz", sagte er nach einem Gespräch mit dem neuen NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.
Der Chef der westlichen Militärallianz pflichtete Obama bei. "Für unseren Einsatz in Afghanistan trägt nicht allein Amerika die Verantwortung oder die Belastung: Er ist und bleibt eine gemeinsame Anstrengung." Rasmussen unterstützte zudem Obamas Forderung, vor einer Verstärkung der Truppen die Einsatzstrategie zu klären. "Zuerst die Strategie, dann die Ressourcen", sagte er. Führende US-Militärs haben mehr Soldaten verlangt, ansonsten werde man den Kampf gegen die Taliban verlieren. Obama hatte klargestellt, dass er erst in einigen Wochen über diese Anfrage entscheiden will.
"Bleiben, bis die Arbeit beendet ist"
Rasmussen betonte, dass die NATO sich nicht aus der Verantwortung stehlen wolle. "Wir werden in Afghanistan bleiben, so lange es notwendig ist, um die Arbeit zu Ende zu bringen", meinte Rasmussen. Zugleich gab er aber keine Zusage für zusätzliche Truppen aus den Reihen der NATO-Verbündeten. Die Zurückhaltung vor allem der Europäer in der Frage einer Aufstockung der Einsatzkräfte hat zuletzt in den USA scharfe Kritik ausgelöst. Nach Einschätzung des obersten Kommandeurs der US- und NATO-Truppen am Hindukusch sind Verteidigungskreisen zufolge bis zu 40.000 weitere Soldaten nötig, um eine Niederlage gegen die radikal-muslimischen Taliban zu verhindern. Die Bundeswehr hat derzeit rund 4200 Soldaten vor allem im Norden Afghanistans stationiert.
EU verärgert
Die Europäische Union wies die Kritik führender US-Generäle an ihrem Engagement zurück. EU-Chefdiplomat Javier Solana sagte, der EU-Militäreinsatz in Afghanistan sei mit rund 35.000 Soldaten deutlich größer als die bisherigen Missionen auf dem Balkan.
Solana reagierte in scharfem Ton auf Äußerungen des Oberkommandierenden der Internationalen Afghanistan-Truppe (ISAF), US-General Stanley McChrystal. Dieser warnt vor einer Niederlage in Afghanistan, sollten nicht rasch mehr Soldaten entsandt werden. "Niemand hat das Recht, den Europäern unangemessenes Verhalten in Afghanistan vorzuwerfen", sagte der Chefdiplomat nach einem informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister im schwedischen Göteborg.
Die Minister berieten auch über ein verstärktes Engagement in Afghanistan. Die Frage von Truppenaufstockungen spielte dabei nach Angaben des schwedischen Ressortchefs Sten Tolgfors aber keine Rolle. Er betonte, der EU gehe es um ein "breiteres Sicherheitskonzept", das nicht nur militärisch angelegt sei.
Absage auch aus Berlin
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lehnte die Entsendung zusätzlicher Truppen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Es handele sich um eine Diskussion, die "jetzt zuerst einmal in Amerika geführt wird, und dann werden wir in der NATO darüber reden". Auch Belgien, die Niederlande und Dänemark erteilten den US-Forderungen eine Absage.
Nach Angaben von Rasmussen sind mit 35.000 Soldaten 40 Prozent der gesamten Truppen am Hindukusch nicht von den USA gestellt. Und die Zahl steige: In den vergangenen eineinhalb Jahren seien 9000 dazugekommen.