Montag, 24. November 2008
"Ein großes Plus": Özdemir für Türkisch-Unterricht
Der neue Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat mehr Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen gefordert. "Deutsch muss für Kinder, die hier leben und aufwachsen, immer die wichtigste Sprache sein", sagte Özdemir der "Bild"-Zeitung. Aber Kinder aus Einwandererfamilien sollten ihre Mehrsprachigkeit entfalten können. "Warum soll an deutschen Schulen neben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch nicht auch mehr Türkisch angeboten werden?"
Aus der CDU kam umgehend Kritik. "Wir sollten uns auf wesentliche Ziele in der Bildungspolitik beschränken", meinte der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl. Türkisch zähle nicht zu den "global relevanten Fremdsprachen".
Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) reagierte zurückhaltend auf die Idee. "Der Schlüssel zur Integration ist Deutsch", sagte Spaenle dem Sender Antenne Bayern. Allerdings sei ein zusätzliches Türkisch-Angebot etwa als spät beginnende Fremdsprache am Gymnasium nicht schlecht.
Wurzeln ernst nehmen
Unterstützt wurde die Forderung Özdemirs dagegen vom Deutschen Kulturrat, dem Verband der Bundeskulturverbände. Geschäftsführer Olaf Zimmermann betonte: "Mehr Türkisch-Unterricht nützt den Schülern mit und ohne türkischem Migrationshintergrund gleichermaßen." Integration könne nur gelingen, wenn die kulturellen Wurzeln der Schüler ernst genommen würden.
Die Co-Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, wertete Türkisch-Unterricht als wichtige Ergänzung zum Deutschen, da türkischstämmige Kinder sonst einen Teil ihres Wissens zu wenig weiterentwickeln könnten. "Wir vergeuden das, was es schon gibt in unserem Land", warnte Roth.
Die Karriere von Politikern sollte nach Özdemirs Ansicht nicht vom Glaubensbekenntnis oder der Abstammung abhängen. Er wünsche sich in Deutschland bald eine erste Ministerin aus einer Einwandererfamilie, "bei der genau das keine Rolle spielt." Özdemir ist der erste Partei-Vorsitzende mit türkischen Wurzeln.
Eid auf den Koran?
Auf die Frage, ob er sich einen türkischstämmigen Kanzler oder Minister vorstellen könne, der seinen Amtseid auf den Koran schwöre, sagte Özdemir: "Genau das sollte sich ändern, dass vor allem gefragt wird, worauf ein Minister seinen Amtseid ablegt. Ich wünsche mir, dass unsere Gesellschaft farbenblind wird. Dass es völlig unerheblich ist, woran jemand glaubt." Entscheidend müsse sein, wie qualifiziert und überzeugend ein Politiker ist.
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